Früher habe ich auf meinem Blog auch immer wieder kleine Anekdoten aus meinem Alltag mit Hund und Katzen erzählt. Dies resultierte daraus, dass vor allem das Zusammenleben, bzw. das Einstellen meinerseits auf das Zusammenleben mit Hund, einen großen Einfluss auf den Lernprozess hatte, wie ich mit meinen depressiven Schüben umgehen kann.

Ich habe das irgendwann eingestellt, da ich den Eindruck hatte, ich würde mich damit verzetteln. Der Versuch, auf so vielen Hochzeiten wie möglich zu tanzen, täte mir vom Zeitmanagement nicht gut und würde auch meinem Erscheinungsbild als Autor nicht besonders gerecht werden. Was ist der Typ jetzt? Buchblogger? Autor? Hundetrainer? Lebenshelfer?

Jetzt ergibt es sich allerdings doch wieder, dass ich etwas zum Thema »Hund« erzähle, da es direkte Auswirkungen auf meine Arbeit als Autor hat. Auf mein Schreiben.

Für mich hat sich nämlich eine strukturierte Arbeitsweise als sehr hilfreich erwiesen. Mein Alltag sieht im Prinzip jeden Tag so aus:

© Pete Linforth/Pixabay

Aufstehen.
Kaffee trinken.
Morgentoilette.
Joggen.
Frühstücken.
Schreiben.

Das hat in erster Linie damit zu tun, dass ich beim Joggen Musik höre und immer schon die Sachen im Kopf vorher durchgehe, die ich später zu Papier bringe. Das Tagesziel sind ja immer noch 1500 bis 3000 Worte.

Nachmittags – zumindest in der Woche – bin ich dann immer noch ein bis zwei Stunden mit unserem Hund »Nemo« unterwegs. Den Rest des Tages verbringe ich mit ganz normalen Kram. Saubermachen, Einkaufen, Essen zubereiten und abends machen wir, meine Frau und ich, dann noch mal eine Runde mit »Nemo«.

Es gibt einige Tage, an denen ich morgens mit »Nemo« joggen muss, da meine Frau Termine hat. Sonst joggt sie mit ihm und wenn ihr euch jetzt fragt, warum wir nicht zusammen joggen: Weil wir unterschiedliche Lauftempi haben und weil ich die Ruhe für die Inspiration brauche. Siehe oben. Denn allein an den Tagen, wo ich mit »Nemo« jogge, klappt das schon nicht so richtig. Das hat damit zu tun, dass ich (wir) ununterbrochen mit unserem Hund kommunizieren, da für uns ein Grundsatz gilt: Kein Hund ist 100%ig berechenbar und wir wollen ihn möglichst viel ohne Leine laufen lassen. D.h. die »unsichtbare« Leine, die Verbindung also zwischen »Nemo« und uns muss sehr stabil sein.

Zurück zum Thema.

Dieser strukturierte Tagesablauf ist für mich nicht nur notwendig, um zu schreiben, sondern er hilft mir vor allem auch beim Bewältigen von sich wieder ankündigenden depressiven Episoden. Die Krankheit geht nie weg. In den vergangenen Therapien ging es immer nur darum, sie anzuerkennen und zu lernen mit ihr gut zu leben. In der Hinsicht bin ich also wie eine Katze. Neophobiker. Angst vor dem Neuen. Man kann es auch zwanghaftes, ritualisiertes Verhalten nennen. Egal. Es hilft.

Und nun?

Haben wir seit ein paar Tagen einen zweiten Hund!

©Anton Serkalow

Einfach, weil meine Frau für ihre Arbeit als Therapeutin immer einen Hund haben wollte und »Nemo« ist es leider nicht. Er ist ein ehemaliger rumänischer Straßenhund, ohne Sozialisation mit Menschen, darum oft sehr ängstlich, aus der Angst heraus aggressiv und braucht immer uns. Also als Therapiehund absolut ungeeignet.

Nun ergab es sich innerhalb ganz kurzer Zeit, dass meine Frau die Chance hatte, einen 12 Wochen alten Welpen zu bekommen. Rasse: Doodle. Das ist in seinem Fall ein Mix aus Pudel und Golden Retriever, wobei der Vater wohl schon so ein Mix war und die Mutter ein Pudel. Beides Rassen, die gut als Therapiehunde geeignet sind, da sie sehr menschenbezogen agieren. Als Welpe (was »Nemo« bei uns nie war, da er erst mit knapp 8 Monaten über den Tierschutz nach Deutschland und vier Wochen später zu uns kam) außerdem natürlich absolut »formbar«.

Das ganze ging so schnell, dass es mich komplett überforderte. Der Einzug eines Zweithundes, eines Welpen, stellt den gesamten Alltag auf den Kopf. Wir müssen uns nun (oft getrennt) noch intensiver um »Nemo« kümmern, damit der sich nicht zurück gesetzt fühlt. Außerdem braucht er sehr viel mehr und auch andere Bewegung und Beschäftigung, als der Kleine. Zusätzlich machen wir natürlich auch viel zusammen, um die Rudelbildung zu verstärken. Auf der anderen Seite muss der Kleine andauernd raus in den Garten, da er noch nicht stubenrein ist. Er spielt mit allem, er zerstört alles. Wo ich »Nemo« bei mir im Zimmer ablegen und mal eben 3000 Worte für die »Nighthunter« schreiben kann, funktioniert das mit »Anuk« nicht. Ach ja, er heißt »Anuk«.

Für die Namensgebung bin irgendwie ich immer zuständig und ich orientiere mich immer stark am Klang des Wortes. »Anuk« gibt es in sehr vielen Sprachen, es ist mal weiblich, mal männlich. Ich bevorzuge die Bedeutung aus der Sprache der Inuit: »Bär« weil das gut zu seinem Aussehen passt.

Übrigens »Nemo« hat nichts mit dem Fisch zu tun, nicht einmal mit dem indischen Rebellen in seinem Unterseeboot aus Jule Vernes Geschichten. Da ging es mir wirklich nur um den Klang.

Doch zurück zum Thema:

Mein (unser) Alltag ist aktuell komplett durcheinander. Wir sind gestresst, übermüdet, das Haus sieht aus wie ein Schlachtfeld, wir sind ungeduscht, genervt … wobei meine Frau das alles besser wegsteckt. Sie ist grundsätlich immer Lösungsorientierter und zugewandter, wo ich als depressiver Mensch immer erst das Negative sehe. Ich gehe jetzt fast jeden Tag morgens mit »Nemo« joggen, nachmittags machen wir meist etwas zusammen mit beiden Hunden im Haus, im Garten, auf einem Spaziergang, abends sind wir erneut zusammen unterwegs und manchmal benötigt »Nemo« dann noch eine extra Stunde Fahrradfahren, um seine Anspannung abzubauen. Ihn nervt »Anuk« auch ganz gewaltig. Wann gehe ich einkaufen, wann mache ich sauber? Die Praxis meiner Frau muss ab nächste Woche auch wieder laufen. (Noch hat sie Urlaub).

Tja, und ich habe noch keine neue Struktur gefunden, um an den »Nighthuntern« zu arbeiten. Aktuell hänge ich in der Mitte der Rohfassung von Band 6, in dem ich die Geschichte erzähle, wie Geistwolf vor 300 Jahren zu dem wurde, der er jetzt ist.

Von Band 7, in dem ich erzähle, wie es mit Horace und Louis weitergeht, in dem ich vor allem auch einiges von dem preisgebe, wie Louis zum Vampir wurde und welche Rolle Abaddon dabei spielt, sind auch etliche Kapitel schon geschrieben. Darüber hinaus existieren grobe Plots für Band 8 und 9. Doch alles in allem weiß ich jetzt schon, dass ich den geplanten Erscheinungstermin von »Das Lied der Wölfe« Ende Januar 2020 nicht einhalten kann. Hinzukommt nämlich noch, dass ich mir über den Jahreswechsel einen lang gehegten Traum erfülle und mit meinem ältesten und besten Freund für drei Wochen nach Namibia fliege.

Ich werde natürlich alles tun, wieder einen vernünftigen Schreibrhythmus zu finden, soweit im Voraus die Geschichten fertig zu kriegen, dass es auch keine Probleme bei der Terminabsprache mit meinen Lektorinnen gibt.

Ich werde euch nicht so lange warten lassen, wie George R. R. Martin mit seiner Fortsetzung, vor allem will ich euch gegenüber einfach ganz offen kommunizieren, dass es diesmal ein klein wenig länger dauert. Ich strebe Ende Februar, spätestens März 2020 für Band 6 an.

Und wenn ihr jetzt sauer seit, dann schaut euch dieses Bild an und sagt mir, dass es dieser kleine Kerl nicht wert ist, vier bis acht Wochen(!) länger auf den nächsten Band zu warten:

Bis bald, euer Anton.

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