Sinclair – Dead Zone – Staffel 1

Ich kenne John Sinclair nicht wirklich. Klar weiß ich, dass es da diese Heftromanserie gibt, die irgendwie seit 500 Jahren erfolgreich läuft. Bis heute. Was ich wirklich bewundere. Ich kenne einen der Autoren, der für diese Serie schreibt, und natürlich kenne ich den groben Pitch, der irgendwie allen Geschichten der Serie zugrunde liegt.

John Sinclair und seine Kolleg*Innen einer Spezialeinheit des Scotland Yard jagen Geister und Dämonen.

Das war’s dann aber auch schon. Interessiert hat mich davon nie etwas wirklich. U.A. deswegen, da es mich total nervt, wenn ständig London Handlungsort von in Deutschland geschaffenen Geschichten ist. Eine Zeitlang, also auch so vor gefühlt hundert Jahren, war das mal so in. Wahrscheinlich sogar ein Muss. Eine Vorgabe der Verlage. Hohlbein deutete mal so etwas an, da er seinen »Hexer« von der Ostküste der USA auch nach London verlegte, weil es irgendwie erwartet wurde. Und irgendwie war dann jede Story um einen Bullen, einen Mörder, einen Detektiv … alles London … ok.
Bevor ich mich da jetzt weiter reinsteigere, wie kam dann ausgerechnet ich dazu, mir die Staffel 1 der neuen Serie Sinclair anzuhören? Weil ich gerade eine Hörspielphase habe und irgendwie in alles mal reinhöre, das interessant kling. Und die Beschreibung des Verlages, dass mit Sinclair (allein, dass diese Serie jetzt nur den Nachnamen als Titel trägt, ist ja schon eine Veränderung) alles erwachsener und düsterer sein soll, hat mich neugierig gemacht.

Und was soll ich sagen? Ich bin extrem positiv überrascht. Es könnte ein Vorteil gewesen sein, dass ich bisher nicht eine einzige John Sinclair Story gelesen habe. Ich ging ohne Erwartungen oder gar Vorurteile an die Serie und hörte eine verdammt gut gemacht, sau coole, wirklich dreckige und hoch spannende Geschichte, um ein paar Cops, die in irgendeiner Drogengeschichte, mit Korruption und Verschwörung ermitteln und dabei auch noch auf etwas ziemlich Verstörendes stoßen, das das Ganze ins Horror-Sujet kippen lässt. Das Namensgeber und Titelfigur Sinclair auch noch in der ersten Folge stirbt, ist da nur einer von genialen Schachzügen im Storytelling.

Denn eines ist klar. Die beiden Autoren der Serie verstehen ihr Handwerk. Das Hörspiel wird, wie es sich für mich gehört, über sehr gute und spannende Dialoge erzählt und selbst meine anfängliche Skepsis, dass es hier leider doch einen übergeordneten Erzähler zu geben scheint, verschwand schnell. Denn auch dies wird geschickt genutzt, da die Szenen immer wieder aus der Sicht einer der verschiedenen Figuren erzählt werden, gibt es eben doch keinen übergeordneten Erzähler mehr (am Anfang in der Einführung schon) sondern einfach den berühmten inneren Monolog. Von dem ich übrigens überhaupt kein Freund bin. Weder im Buch, noch im Film. Im Comic ist das noch etwas anderes, wenn der innere Monolog durch Bilder, die eine Handlung zeigen, aufgebrochen wird. Und tatsächlich gelingt dies diesem Hörspiel. Während die Geräusche also beispielsweise eine Verfolgungsjagd abbilden, spricht die jeweilige Figur eben diesen inneren Monolog, und zwar absolut glaubwürdig, dass man sich vorstellen könnte, dass dies tatsächlich ihre Gedanken während der Handlung sind. Abgehackt, gehetzt … in anderen Szenen wird der innere Monolog entsprechend der Handlung angepasst.

Für mich war diese erste Staffel also ein totaler Genuss. Und ich hoffe, dass es die angekündigte zweite Staffel Underworld auch als Hörspiel geben wird. Ich will ja wissen, wie es weiter geht. Staffel 1 endet jetzt zwar nicht mit einem üblen Cliffhanger, also als Einführung genügt es, aber es bleiben genug Fragen für weitere Handlungen offen.

Ich befürchte aber, dass dies nicht geschehen könnte. Denn soviel, wie ich schon mitbekommen habe, hat Dead Zone eine Menge Prügel eingesteckt. Wobei bei den meisten Rezensionen nicht ganz klar ist, ob die sich jetzt auf das Buch oder das Hörspiel beziehen. Was bei den o.g. Stilmitteln schon einen Unterschied ausmachen könnte. Vielmehr aber scheint es, dass sich Sebastian Breidbach und Dennis Erhardt eine Menge Freiheiten in der Neuinterpretation der Figuren genommen haben und dies auf kollegialen Unmut trifft. Da ich die »Originale« nicht kenne, kann ich nur noch einmal zusammenfassen, was ich oben geschrieben habe:

Sinclair – Dead Zone ist ein genial geschriebenes und inszeniertes, spannendes Thrillerhörspiel, mit zerrissenen, ambivalenten Figuren und einem Touch Mystery-Horror, dem ich sogar verzeihen kann, dass die Story in London angesiedelt ist. Da es hier keine viktorianische Beschaulichkeit und steife englische Mondäne gibt, sondern wirklich nur ein düsteres Drecksloch, voller kaputter Existenzen und einer ziemlich temporeichen Story.