Klappentext:

»In Whapeton herrscht das Faustrecht. Die anständigen Bürger der Stadt zittern vor den Geiern, einer gefährlichen Bande von Desperados, die überall dort zuschlagen, wo man es am wenigsten erwartet. Sie überfallen Kutschen und Geldtransporte, und selbst einsame Reisende sind nicht vor ihnen sicher. Auch Sheriff Middleton weiß keinen Rat. Bis er schließlich auf die Idee kommt, einen berüchtigten Revolvermann zu engagieren. Niemand in Whapeton ahnt, dass der eigentliche Ärger damit erst beginnt…

IM SCHATTEN DER GEIER erschien erstmals im Jahr 1936 im US-Magazin Smashing Novels. Der Apex-Verlag veröffentlicht diesen Western-Klassiker im Rahmen seiner Robert-E.-Howard-Edition als durchgesehene Neuausgabe.«

Warum habe ich das Buch gelesen?

Durch Zufall stieß ich darauf, dass Robert E. Howard, am bekanntesten sicherlich als Erfinder der Figuren »Conan – der Barbar« und »Salomon Kane« auch ein paar Western geschrieben hat.

Als Zeitgenosse und Bekannter von H. P. Lovecraft, schien mir Howards Western durchaus interessant. Bzw. sogar inspirierend. Eine der wichtigsten Empfehlungen, die man Autoren ja gibt, ist: Lesen!

Nach deutschem Urheberrecht ist dieses, 75 Jahre nach dem Tod des Autors, gefallen, weshalb ich bei meiner Recherche darauf stieß, dass es das Buch zweimal in Deutschland gibt.

2018 erschien das Buch unter dem Titel: »DIE GEIER VON WAHPETON« (Was eine wortwörtliche Übersetzung des Originaltitels ist) im Blitz-Verlag als Ebook für 4,99€.

2019 wiederum unter o.g. Titel im Apex-Verlag als Ebook für 5,99€.

Warum habe ich mich jetzt für das Ebook aus dem Apex-Verlag entschieden?

Ich schaute mir einfach von beiden Büchern die Leseproben an und entschied mich für die, die mir besser gefiel. Es war eine rein emotionale Entscheidung, doch für die Rezension will ich das Mal etwas näher beleuchten.

Schauen wir uns die Leseproben (Anklicken führt zu Amazon) mal an:

Blitzverlag:

Apex-Verlag:

Halcyon Press Ltd

In der Version des Blitzverlages störte mich einfach, dass der Übersetzer dem Erzähler solche Formulierungen wie »Visagen«, »Klamotten«, »Kanone« und »Knarre« in den Mund legte. Ich finde es immer schwierig, wenn der übergeordnete Erzähler den gleichen Tonfall, die gleichen Formulierungen, wie seine Protagonisten verwendet. Dazu komme ich weiter unten aber noch mal.

Die Übersetzung des Apex-Verlages klang für mich einfach eleganter. Obwohl in einer Rezension zu einem anderen Howard Buch aus dem gleichen Verlag, kritisiert wurde, dass die Übersetzung von Christian Dörge eher schlecht sind, was daran liegen könnte, dass er gefühlt 5 Bücher im Monat übersetzt, entschied ich mich für die Version aus dem Apex-Verlag.

Ersteindruck, Cover und Titel?

Ganz ehrlich? Das Cover des Blitz-Verlages finde ich insgesamt besser. Bild und Schrift kommen dem Feeling eines »Pulp« Werkes im Genre »Western« geschrieben Anfang des 20sten Jahrhunderts einfach näher.

Das verwendete Bild des Apex-Verlages suggeriert einen »Weird-Western«, einen »Horror-Western«, was das Buch nicht ist. Typografie und Bild im Zusammenspiel sind einfach schlecht. Hier wirkt das Ganze wirklich wie von einem typischen Amateur gemacht, der eben keine Ahnung von Covergestaltung hat. Bild aus dem Stockfoto-Portfolie, irgendwie Schrift drauf geklatscht. Punktabzug. Der Titel ist zwar anders übersetzt, doch das ist völlig in Ordnung, da er nahe am Original bleibt.

Um was geht’s eigentlich?

Inhaltlich handelt es sich um die klassische Westernstory. Eine Goldsucherstadt, in der zwangsläufig schon nicht gerade Recht und Ordnung herrschen, wird regelmäßig von einer Bande Outlaws, die »Geier«, heimgesucht und der anscheinend überforderte Sheriff engagiert den geheimnisvollen Superhelden … äh … Revolvermann … um zu helfen.

Western lebt in Meinen Augen von Klischees und Archetypen, insofern, soweit so gut. Hätte gereicht.

Allerdings bietet Howard tatsächlich im Verlauf dieser typischen Westernstory eine Überraschung. Die schwer ohne zu spoilern, zu beschreiben ist allerdings dann doch. Nur soviel: Es gibt einen Punkt in der Geschichte, wo man plötzlich feststellt, dass alles ganz anders ist, als man bis dahin dachte und das ist tatsächlich nicht westerntypisch. Die Spannung kommt ab diesem Punkt vor allem dadurch auf, dass man als Leser wirklich neugierig ist, wie Howard diesen überraschenden Entwicklungsverlauf auflöst.

Wie ist es geschrieben?

Anhand der Originalleseprobe ist klar zu erkennen, dass Howard, als Freund und Zeitgenosse von Lovecraft, tatsächlich eine ähnliche Vorliebe für bilderreiche Adjektive hat. Im Gegensatz zum Meister des Schreckens, setzt Howard diese aber nicht ganz so inflationär ein. Das beweist mir als Autor, dass man eine gewisse »geschwollene«, »alte« Sprache in einem Western durchaus verwenden kann, meine eigene Verbeugung vor Lovecraft durch mindestens drei Adjektive vor einem Substantiv dann aber doch übertrieben ist.

Insgesamt liest es sich sehr flüssig. Die Geschichte ist gut geplottet, stringent erzählt und sprachlich schafft Howard genügend Atmosphäre, dass man ein Gefühl für Zeit und Ort bekommt, ohne, dass es unmodern wirkt.

Was mich gestört hat, ist der, auch hier vorkommende, Rassismus und die Frauenfeindlichkeit. Gut. Letzteres ist nicht das richtige Wort, denn genauso wie bei Lovecraft, kommen Frauen kaum vor aber wenn, dann werden ihnen deutlich verächtliche, klischeebehaftete Eigenschaften zugeschrieben. Z.B., dass sie »natürlich unlogisch« sind und rein »emotional« reagieren. Ebenso wird sehr oft betont, dass »weiße Männer« bestimmte Dinge nicht tun würden.

Diese Kritikpunkte treffen übrigens auch auf Lovecraft zu, insofern, scheint es dem damaligen Zeitgeist in den USA geschuldet.

Gestört hat es mich vor allem deshalb, weil es die Stimme des Erzählers ist, die diese Sachen von sich gibt und nicht die der Protagonisten. Was ich damit sagen will, in einer Geschichte, die im 19ten Jahrhundert im Wilden Westen spielt, ist es völlig in Ordnung, die Protagonisten z.B. »Nigger« sagen zu lassen. Denn so sprach man damals einfach. Der übergeordnete Erzähler sollte sich so etwas verkneifen.

Auch neigt Howard dazu, seinen Erzähler gerne einen sehr belehrenden Ton zu geben. Viel zu oft wird von dieser allwissenden Stimme erklärt, was einen Revolvermann ausmacht, warum er so ist und und und … hier wäre mehr »show don’t Tell« das bessere Mittel der Wahl gewesen.

Wer spielt mit?

Die Hauptfiguren sind dem Sujet entsprechend klischeebelastet. Der adrett gekleidete Sheriff, der sich vom Schmutz der anderen Einwohner abhebt, der übermenschliche Revolvermann mit geheimnisvoller Vergangenheit und dunkler Atmosphäre, die naive Bardame/Tänzerin … alles soweit wie erwartet, wenn da nicht tatsächlich der o.g. Moment wäre, in dem Howard der Story eine überraschende Wendung gibt. Was hier als sehr positiv ins Auge fällt.
Insgesamt bleibt er bei den Figuren aber dem treu, was man von einem Western gewöhnt ist und das ist gar nicht mal schlecht, wenn er die persönliche Sichtweise seines Erzählers etwas mehr zurückgenommen hätte.

Fehlerquote?

Die Fehlerquote ist in meiner Ausgabe des Ebooks leider sehr hoch. Interessanterweise sehen die meisten Fehler aus, wie Fehler, die entstehen, wenn man ein gedrucktes Buch einscannt und ein Textverarbeitungsprogramm dann daraus einen Text macht. Offensichtlich aber bestimmte Buchstaben anders erkennt. z.B. »Kielt« statt »Hielt«, »lauem« statt »lauern« u.Ä.

Darüber hinaus gibt es auch noch etliche »Tippfehler«. z.B. »Auf flammen« statt »aufflammen«, »auf brüllen« statt »aufbrüllen« u.Ä.

Hier kann definitiv nicht von Lektorat gesprochen werden, denn diese Fehler sind so offensichtlich falsch, dass sie eigentlich jedes vernünftige Schreibprogramm erkennen müsste.

Mein Fazit:

Die Story an sich ist ein guter Happen für zwischendurch. Es hat die richtige länge oder Kürze, je nachdem, wie man es sieht. Die Atmosphäre eines Westerns wird gut wiedergegeben, die Handlung ist spannend erzählt, die Sprache sehr schön und der kleine Überraschungsmoment verdient Pluspunkte, die ich für den (offenbar zeittypischen) übergeordneten Erzähler mit seiner belehrenden, persönlichen Sicht der Dinge, wieder abziehe.

Dennoch hat mir die Lektüre von »Schatten der Geier« soviel Spaß bereitet, dass ich auf jeden Fall auch in die anderen beiden, auf deutsch erschienenden, Western (diesmal nur im Blitz-Verlag, dort zusammengefasst in einem Band) zurückkommen werde.

Die Übersetzung erscheint mir persönlich als sehr angemessen, was u.U. daran liegen mag, dass sie nicht von Christian Dörge allein stammt, im Impressum wird noch ein zweiter Übersetzer genannt. Es liegt die Vermutung nahe, dass von diesem die erste Version stammt und Hr. Dörge vielleicht noch einmal »drüber geschaut« hat. Hier gibt es auf jeden Fall Pluspunkte.

Für das wirklich miese Cover und die viel zu hohe Fehlerquote verdient das Buch viele Punkte Abzug, denn hier ist der Preis von 5,99€ für ein derart schlampig zusammengeschustertes Ebook mit dem Umfang eines Bastei-Heftromans viel zu hoch.

Insgesamt kann ich also, trotz schlichter, (das ist nicht negativ gemeint, denn das habe ich erwartet und auch bekommen), kurzweilig spannender Westernstory für das Gesamtwerk nur zwei von fünf möglichen Schießeisen vergeben.

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