Etwas unaussprechlich Böses wandelt durch die Utah-Territorien im
Jahre 1882. Bürgerkriegsveteran und Kopfgeldjäger Tyler Cabe, der seinen
Lebensunterhalt mit der gnadenlosen Verfolgung von Straftätern
bestreitet, muss nun etwas jagen, das die Vorstellungskraft eines
lebendigen Menschen bei weitem übersteigt.

Für mich war »Skin Medicine« der erste Western mit Horror-Elementen
bzw. Geisterschocker im Westernsetting. Dabei find ich den Grundgedanken
sehr naheliegend. Der Zusammenprall von einerseits Menschen, die auf
ihre technischen Errungenschaften (Waffen, Maschinen, Datenübermittlung)
gepaart mit Eroberungswillen vertrauen. Auf der anderen Seite die
Natives in ihrer steinzeitlichen Gesellschaft mit all ihren Mythen,
Dämonen, Geister und Schamanen.


Die Grundlage von »Skin Medicine« ist nicht der patriotische
Urwestern, in dem es übermenschlich strahlende Helden gibt, sondern eine
Mischung aus den überzogen hässlich dargestellten Typen des
Italowestern. Durchaus mit etlichen Klischees. Jeder hat Dreck am
Stecken oder ein dunkles Geheimnis. Man sieht beim Lesen förmlich die
von Sergio Leone lang inszenierten Gesichter, die mehr Fratzen und
Freaks, denn strahlendes Antlitz eines Audie Murphy sind. Außerdem
natürlich das märchenhafte Grundsujet eines »Once Upon a Time in
America« .

Gemischt mit den zerstörten Mythen des Spätwesterns (z. B.
»Erbarmungslos«) Zerstörte Existenzen, mit schweren Traumata (besonders
genial in den beiden Hauptfiguren des Kopfgeldjägers Cabe und des
Sheriffs Dirker, die eine gemeinsame, nicht grad verbindende
Bürgerkriegsvergangenheit haben).

Whisper Lake erinnert an »Deadwood«, was auch am eher ungewöhnlichen
Wettersetting liegt. Regen. Schlamm. Kälte und ein filmreifer Showdown
in einem Blizzard, der sich um eine verlassene Kirche dreht. (Bis zu
Tarantinos »Hateful Eight«, kannte ich das nur im legendären »Il Grande
Silencio« von Corbucci)

Gemixt wird das Ganze mit einer ordentlichen Prise Splatter-Horror, tief verwurzelt in indianischen Mythen.

Die Sprache ist passend obszön und wird faszinierenderweise in den
Beschreibungen der Brutalitäten, (Des Serienkillers und seiner Taten,
und den Schlachtfesten der dämonenhaften Menschenjäger in ihren
Staubmänteln.) sehr bildhaft. Ja poetisch.

Gut fand ich, die normale Verwendung von indianischen Charakteren.
Keine edlen Wilden, oder einfach nur die »Orks«, die mal zum Überfall
der Postkutsche reingebracht werden. Charles Graybow, eine tragende
Figur, ist ein integrierter Native, der im Suff Dinge tut, an die er
sich nicht mehr erinnern kann. Die Mythen seines Volkes noch kennt und
ansonsten jenen typisch indianischen Humor aufweist, den man lange Zeit
nicht erkannt hat. Einfach, weil der Weiße ihn nicht kapiert. Diese
Dialoge bringen ein Quäntchen Humor mit rein und so hat der Autor hier
eine grundlegende aristotelische Regel befolgt.

Ursprünglich wollte ich einen Stern für den Teil abziehen, in dem
die Gesichte des Antagonisten erzählt wird, der mir dieser zuwenig dem
Prinzip des »Show dont tell« folgte. Aber in der Gesamtbewertung wäre
auch dies ungerecht, selbst wenn es mir nicht so gefallen hat.

»Skin Medicine« ist ein extrem unterhaltsamer Genremix, dessen
spannende Handlung, überzogenen Figuren, düsteren Horrorelemente und vor
allem der filmreife Showdown vollauf überzeugen.

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