Klappentext:

»Existierte das Marvel-Universum schon im Jahre 1602 zu Zeiten der Regentschaft von Königin Elisabeth? Wenn ja, wie sah es dann wohl aus? Gab es schon damals Helden und Schurken und missverstandene Mutanten? Trefft außergewöhnliche Versionen von Spider-Man, den X-Men, Nick Fury, Dr. Strange,Daredevil, der Black Widow, Dr. Doom,Magneto, dem Geier und anderen, wenn Neil Gaiman die Pforten von Raum und Zeit öffnet und das Marvel-Universum einer magischen Vergangenheit mit seiner überbordenden Fantasie zum Leben erweckt! Dieser Band enthält Marvel 1602, geschrieben von Star-Autor Neil Gaiman (berühmt für seine Comic-Serie SANDMAN und Romane wie American Gods oder Das Graveyard-Buch) und mit Artwork von Andy Kubert (WOLVERINE: ORIGIN, DIE ULTIMATIVEN X-MEN, BATMAN) und Richard Isanove (Der dunke Turm).«

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass Neil Gaiman immer dann am besten ist, wenn er eine Story nur kurz anreißt, einen Plot gerade mal skizziert, ein paar Figuren kreiert oder umändert und den Rest z.B. einfach einigen talentierten Zeichnern überlässt.

Was Gaiman hier aus dem Marvel-Universum macht, ist in meinem Augen schlichtweg genial. Unterhält gut, macht eine Menge Spaß und ist herrlich erfrischend.

Muss man das Marvel-Universum kennen, um der Geschichte folgen zu können?
Nein.

Ich vermute, dass eine genauere Kenntnis die eine oder andere Anspielung vielleicht köstlicher werden lässt. Aber das Grundwissen, vermittelt durch die Filme, die wohl fast jeder kennt, der überhaupt zu solcher Art Comics greift, reicht aus. (Ich lese eher Sachen aus dem DC-Universum, schaue dafür lieber die Marvel-Filme.)

So fiel es auch mir nicht schwer die Fantastic Four, die X-Men, Spiderman, Thor, Hulk und diverse andere Gestalten aus der Marvel-Welt wiederzuerkennen. Und dabei durchaus meine diebische Freude zu haben, dass mir klar ist, dass der vertraute Leser, sie sicherlich anders vor den Augen hat.

Wie immer sprüht Gaimans Story vor Ideen, Wahnwitz, Querverweisen durch Popkultur, Literatur und Philosophie … wahrscheinlich ist es nur dem Umstand geschuldet, dass Vertigo ein DC Imprint ist und somit Gaimans grandioseste Schöpfung »Dream« (besser gekannt als »Sandman«) hier nicht auch noch auftauchen kann.

Am Ende gelingt es ihm sogar, seinen alternativen Weltenentwurf schlüssig in das bekannte Marvel-Universum zu integrieren.

Großartig.

Und die Zeichnungen?

Andy Kuberts Panels folgen dem gewohnten Muster. Nur hin und wieder wird mit den Rahmen etwas experimentiert, um z.B. verschiedene Zeitebenen von einander abzuheben.
Ansonsten liegt Kuberts Augenmerk auf den Figuren und ihren Gesichtern. Gebäude und Hintergründe, Stadtansichten und Landschaften, bleiben oft Andeutungen, was dem Ganzen den Hauch einer Bühnenaufführung verleiht.
Sein Strich ist sehr graphisch, er arbeitet mit klaren Linien und Schraffuren statt Schattierungen. Hier erinnert die Darstellung an Kupferstiche.
Durch die pastellenen Farben des Tuschers Richard Isanove erhalten die Bilder einen Touch, der an die »holländischen Meister« erinnert. Was auf mich beinahe den Eindruck erweckte, ein historisches Werk in den Händen zu halten.
Somit schaffen die beiden eine beinahe gemäldeartige Umsetzung von Gaimans Story, die der Zeit, in der sie angesiedelt ist, mehr als gerecht wird.

Wieder einmal beweisen drei hervorragende Meister ihres Faches, dass Comic durchaus Kunst sein kann, die zudem noch verdammt unterhaltend ist.

5 Sterne

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