Klappentext: »Stephen Kings Sohn Joe Hill ist längst aus dem Schatten seines berühmten Vaters herausgetreten und gilt als einer der erfolgreichsten Nachwuchsautoren des Genres. Jetzt bläst der bekennende Comic-Fan zum Sturm auf die sequenzielle Kunst. Mit LOCKE & KEY präsentiert PANINI das Comic-Debüt des talentierten Horror- und Fantasyautors!

In der zwischen Psycho-Horror und Fantasy angesiedelten Geschichte von Joe Hill spielen mystische Türen in einem unheimlichen Haus eine wichtige Rolle. Türen, die nur mit bestimmten Schlüsseln geöffnet werden können und hinter denen sich große und düstere Geheimnisse verbergen. Für einen kleinen Jungen und seine Familie bedeutet die Tür zur Astralebene die Rettung vor einem Serienmörder aber auch den Zugang zur Welt für ein Monster, das danach giert, auch die anderen Türen zu öffnen.«

Ein altes, sehr viktorianisch anmutendes Haus in einem Ort namens: »Lovecraft«. Eine Familie, die gezwungen ist, dort Unterschlupf zu suchen, nachdem sie in Teilen von einem irren Killerduo dezimiert wurde. Ein Anwesen, das düster und geheimnisvoll wirkt aber vom (ermordeten) Vater auch einst als einzig sicheren Ort für die Kinder bezeichnet wurde.

Drei Kinder im unterschiedlichen Stadium ihrer »coming of ages« Phase, eine Mutter, die durch das Ereignis in der Vergangenheit schwer traumatisiert wurde. Eine neue Umgebung, in der sich alle zurechtfinden müssen …

Das klingt doch alles nach einer ganz famosen klassischen, ja ich möchte sagen: »gotischen« Schauernovelle.
Dann noch von einem Autor, der mich mit seinen Büchern »Blind« (Hard Shaped Box), »Teufelszeug« (Horns) und »Christmasland« (NOS4A2) schon zu begeistern wusste. (Ich verzichte an dieser Stelle ganz bewusst darauf, noch einmal darauf herumzukauen, wer dieser Joe Hill denn nun ist, denn sein Werk steht ganz allein für ihn!)

Was sollte mich also davon abhalten, das ganze im Medium Comic zu konsumieren? Nichts! Außer der unerträglich hohe Stapel ungelesener Bücher, der mich eben erst jetzt, Jahre nach Erscheinen, dazu brachte, die Serie »Locke und Key« zu lesen. (Übrigens eines der wenigen Comics, dass auf Grund seiner Zeichnungen und seines Formates durchaus akzeptabel auf einem 10 Zoll Tablet lesbar ist. Die meisten Comics lese ich nämlich, im Gegensatz zu Büchern, noch immer in gedruckter Form.)

»Locke und Key« ist wirklich eine ganz famose »coming of age« Schauernovelle. Wir haben liebenswerte Charaktere, eine unheimliche Atmosphäre, dunkle Geheimnisse, die weit in die Vergangenheit reichen und die ganze Sache mit den Schlüsseln … das ist ein Ideenreichtum, wie er mir bis dahin vergleichbar nur bei China Miéville und Clive Barker untergekommen ist.

Da es der erste Band einer sechsteiligen Serie ist, handelt es sich bei »Willkommen in Lovecraft« natürlich um die Exposition.
Die Charaktere und das Ausgangssetting werden vorgestellt, das Geheimnis, das hinter dem Anwesen und der Familie liegt, wird angedeutet, der Spuk und die Rätsel angerissen. Die Atmosphäre und die Grundzüge der Geschichte dargestellt, so dass dem Leser am Ende klar sein dürfte, ob er weiter lesen will oder nicht. Was auf ihn zukommen könnte und ob das ausreicht, weiter zu machen.

Die graphische Umsetzung:

Rodriguez verzichtet in seinen Panels auf Experimente. Seine Bildanordnungen, die Perspektiven und Abfolgen sind klassisch. Der Strich ist sauber und sehr detailliert. Liebevoll. Dies passt zum Ambiente der gotischen Schauermär.
Mir persönlich gefallen seine Gesichter, speziell die Mundpartien nicht. Was er allerdings in seiner Akribie in Sachen Interieur, Architektur, Kleidung, Landschaft … aufs Papier bringt, ist einfach nur zauberhaft. Dies unterstreicht den »coming of age« Aspekt der Geschichte perfekt.

Seine Art, gerade die verschiedenen Zeitebenen, ihre Überschneidungen und die Erinnerungen der Protagonisten, oft in scheinbar den gleichen Bildern darzustellen finde ich genial. Hier ensteht manchmal dieser: »Finden Sie sieben Unterschiede« Effekt, der ein oberflächliches Lesen verhindert. Dies sollte man meiner Meinung nach, eh nie tut. Schon gar nicht, bei einem so großartigen Comic wie diesem.

Verdiente 5 Sterne

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