Sammelrezension zu den Bänden 2 – 6 ohne Spoiler.

Auch wenn das Interesse oder gar die Begeisterung für eine länger laufende Reihe/Serie eigentlich nicht nachlassen, fällt es mir von Teil zu Teil schwer, eine Rezension zu schreiben.

Das liegt vor allem daran, dass Rezensionen ziemlich spoilerfrei sein sollten, was mit Fortschreiten der Geschichte natürlich kaum noch möglich ist. Andererseits … liest wirklich jemand die Rezensionen zu den letzten Bänden einer Serie, wenn er die ersten nicht kennt?

Ich denke, Rezensionen zu den fortlaufenden Teilen einer längeren Geschichte, sind für die Leute interessant, die noch vor dem Kauf der ersten Teils wissen wollen, ob es sich für sie lohnt, wirklich mit dieser Serie anzufangen.

Die Frage ist also, wenn im Fall wie bei »Locke & Key« der Beginn derart fulminant und furios war, kann das Niveau bis zum Ende gehalten werden?
Ja.

Definitiv.

Was Joe Hill hier erzählerisch abliefert, ist eine exzellente Horror-Mystery-Geschichte, mit einem ordentlichen Anteil an (Coming of Age) Drama. Und ja, in manch einer Figur, in Teilen der Plotentwicklung mag man den berühmten Vater von Joe Hill wiedererkennen. Bzw. sein Werk. Dies gipfelt in einer wunderbaren Reminiszenz im letzten Teil der Story, in einer Szene, die direkt auf ein (verfilmtes) Buch von Stephen King hinweist.

Es geht beim Geschichten erzählen meiner Meinung nach aber nie darum, das Rad neu zu erfinden, sondern einfach eine spannende Story zu erzählen. Eine, die den Leser mitreißt, mitfiebern lässt, die hier und da noch zu überraschen, und ansonsten einfach gut zu unterhalten weiß.

Diese Art von Geschichte ist »Locke & Key« ohne Frage. Ich habe lange nicht mehr (ob im Comic, bei einem Buch oder einem Film) so derart mit den Hauptprotagonisten mitgefiebert und mir schon früh gewünscht, dass sie endlich das Unheil, das sie bedroht, erkennen und besiegen können. Doch ich wusste beim Lesen schon, dass dieser Wunsch (ähnlich einem Kind, das der Zeichentrickfigur im TV laut zu ruft: »Pass auf! Hinter dir!«) so schnell nicht in Erfüllung gehen kann. Da die Story aus immerhin 6 Teilen a ca. 170 Seiten besteht. Da muss ja einfach noch eine Menge passieren.

Langweilig oder gar unschlüssig wird die Geschichte trotz ihres Umfangs nie.

Am Ende haut Joe Hill noch ein Finale raus, dass beinahe 199 Seiten geht, wo ich als Leser schon im ersten Kapitel dachte: »Gut, was soll jetzt noch kommen?« Und dann riss es mich so dermaßen mit, dass ich es nicht ertragen konnte, den Band nicht zu Ende zu lesen. Obwohl es bereits nachts um Halbeins war und das Licht eines Tablets nicht gerade für heimelige Atmosphäre im Schlafzimmer sorgt.

Mehr Superlative fallen mir nicht ein. Ihr müsst es einfach selbst erleben. Diese Story ist über alle Zweifel erhaben!

Die Zeichnungen von Gabriel Rodriguez bleiben konstant auf ebenso hohem Niveau. Seine Detailverliebtheit – allein die Dämonen hinter der schwarzen Tür, ach die schwarze Tür selbst, das Keyhouse, die Landschaft – das alles ließ mich ständig darüber hinwegsehen, dass ich seine Gesichterdarstellung einfach nicht mag.

Ja. Diese Zeichnungen zwingen mich regelrecht dazu, das Comic ein zweites und sogar drittes Mal zu lesen. Beim ersten Mal ließ mich die atemlose Spannung der Story zu sehr über die Seiten fliegen, um sie wirklich zu würdigen.

»Locke & Key« verdient es auf jeden Fall von jedem, der eine gute Schauermähr mag, gekauft und gelesen zu werden.

Die mittlerweile neu aufgelegte Luxusedition von Panini ist in ihrer Gesamtheit sogar günstiger, als die teilweise nicht mehr erhältlichen Softcover der Erstausgabe und ich denke, diese Variante ist als einzige dem genialen Werk der beiden Schöpfer angemessen.

Fazit: Ihr mögt Geschichten, die sich um das Erwachsenwerden, Familiendramen, Geheimnisse und Übernatürlichem drehen? Mit etwas Romantik, einer ordentlichen Portion Geistergrusel und Mystery angereichert?

Dann kauft verdammt noch mal diese Comicserie, sie ist mit das beste, was ich seit Jahren in diesem Genre gelesen habe!

Begeisterte 5 Sterne

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