»Die zweite Finsternis« von E. S. Schmidt

Klappentext:

»In der Endlosigkeit der kanadischen Wälder stürzt ein außerirdisches Schiff ab und entlässt seine gefährliche Fracht: Reaper – telepathische Raubechsen, groß wie Löwen, mit enormer Reproduktionsfähigkeit und unersättlichem Hunger.

Hinter hohen Mauern, zusammengedrängt in den ehemaligen Metropolen, harren die letzten Menschen aus. Die einzigen, die sich den Reapern entgegenstellen können, sind genetisch optimierte Krieger, die in Mönchsorden zu absoluter Disziplin erzogen werden. Doch als eine Stadt nach der anderen verstummt, befürchtet Bruder Kaleb, dass sich ein noch größerer Feind erhoben hat. Ein Feind, der nicht nur die zerbrechliche, neu geschaffene Ordnung bedroht, sondern auch den einzigen Menschen, für den Kaleb sein heiliges Gelübde brechen würde.«

Handwerklich solide Endzeit-Science-Fiction, der leider der Mut zu Überraschungen fehlt.
Auf jeden Fall ist »Die zweite Finsternis« ein gut durchdachter, in sich plausibler Weltenentwurf, mit einem stimmigen, atmosphärischen Setting.
Die Story wird stringent, ohne dass Langweile aufkommt erzählt, ist actionreich und mit einem Quäntchen (wirklich nur!) Romantik angereichert.
Die Figuren sind zwar durch die Bank pure Klischees (schweigsamer Kriegermönch, der doch heimlich liebt, Tochter des Bischofs, die an der Kirche und ihrem Weg zweifelt, Sohn des Bischofs, der auch nicht machen will, was Papa für ihn plant, Bischof, der über Leichen geht, es aber gut meint. Ketzer, die nicht die Allmacht der Kirche in Frage stellen, sondern nur ihren eigenen Machtphantasien folgen usw.), diese sind allerdings gut ausgearbeitet.
Ich empfinde es auch als Positiv, wenn ich als Leser erstmal in die Handlung und die Welt geworfen werde, mir die Hintergründe sich erst nach und nach erschließen. Somit fand ich auch den Anfang nicht zäh.
Sprachlich und vom Plotten, versteht E. S. Schmidt ihr Handwerk auf jeden Fall.

Leider machen die Charaktere, die Handlung und damit auch die möglichen Aussagen hinter der Geschichte, hinter dem Setting, keinerlei Entwicklung durch. Das o. g. »Charakter-Schema« (oder eben das Klischee) wird bis zum Ende eingehalten.

Die in dieser Story besonders brutal agierende Kirche (Zwangsvergewaltigungen von Frauen zwecks genetischer Auslese und Züchtung, Auslöschung von selbstständigem Denken und Fühlen, um Krieger zu schaffen, Massenmord an sog. »Ketzern« usw.) wird nicht in Frage gestellt.
Hier wäre für mich mehr Mut wünschenswert gewesen.

Dadurch wirkt auch der Schluss etwas abrupt, bzw. wenig überraschend.
Der Showdown erscheint mir hier mehr wie »Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg«.
Es machte sich bei mir als Leser das Gefühl breit, dass etwas fehle. (Als Autor kann ich es benennen: Es fehlen wichtige Teile des zweiten Aktes, der Twist im dritten Akt und der emotionale Höhepunkt. Da alles genauso kommt, wie es von Anfang an angedeutet wird und wie es der Leser erwartet.)

Wenn ein zweiter Teil geplant wäre, wäre dies eine Erklärung, denn das Setting und der eigentlich erst begonnene Kampf lassen genügend Spielraum für Weiterführungen und vor allem (wünschenswerten) Entwicklungen.
Dann wäre »Die zweite Finsternis« eine sehr gute Einführung in eine weitaus komplexere und vor allem längere Geschichte, (Oder eben eine »Exposition« die mit dem Schluss des 1. Aktes endet). Wäre also eine Trilogie geplant, wäre es ein sehr gutes Buch.
Als eigenständiges Werk wirkt »Die zweite Finsternis« leider, als hätte die Autorin nicht genügend Selbstverstrauen und Mut in ihre Geschichte gehabt.

Dennoch verdiente drei Sterne für das gut beherrschte Schreibhandwerk, das zumindest zeigt: E. S. Schmidt kann es und somit ist noch ordentlich Luft für eine positive Steigerung bei der nächsten Geschichte vorhanden.

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