Klappentext: »Ein Dorf am Fuße des Gletschers.
Ein Geheimnis, gefangen im ewigen Eis.
Eine Wahrheit, dunkler als die Nacht.

1956. Der junge Lehrer Erik Strauss tritt seine Anstellung in Thannsüß an, dem Dorf am Fuße des Grimboldgletschers. Er begibt sich auf die Suche nach seinem verschollenen Vorgänger Cornelius Piel. Doch je tiefer er im Dreck wühlt, desto finsterer werden die Dinge, die er ans Tageslicht zerrt. Menschen verschwinden, es kommt zu bizarren Todesfällen. Und manche behaupten, auf dem Gletscher gehe der Teufel um …

Zu spät erkennt Erik, wie eng sein Schicksal mit dem des Dorfes verknüpft ist. Als er im ewigen Eis auf ein furchtbares Geheimnis stößt, versinkt Thannsüß in einem Strudel der Gewalt. Aber Erik ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen, um das Leben seiner Frau und seines ungeborenen Kindes zu retten.

„Der Teufel in Thannsüß“ ist ein Meisterwerk der modernen Horror-Literatur: ein düsterer, atmosphärischer und kompromissloser Höllenritt von ungeheurer Wucht.«

Verdammt dick aufgetragen der Klappentext, oder?

In diesem Fall stimmt der reißerische Satz am Ende aber.
Ich hatte einfach mal wieder Lust auf einen feinen Mystery-Thriller, etwas Übersinnliches, viel Atmosphäre und wie immer: Keinen Bock auf amerikanische Groß- oder Vorstadtlegenden. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Büchern von Oliver Susami (denen ich mich noch widmen werde) und eben »Der Teufel von Thannsüß«.
Warum ich mich für das eher historisch anmutende Setting eines einsamen Dorfes in den Alpen, statt gegen Susamis »Vierter Stock Herbsthaus« entschied, lag im Moment nur daran, dass ich keine Lust auf »Ich-Erzähler« hatte.

»Der Teufel in Thannsüß« ist ein ziemlicher Wälzer. Das liegt daran, dass sich Rupert Mattgey sehr viel Zeit für Atmosphäre nimmt und somit eines der wichtigsten Kriterien für einen guten Mystery-Thriller erfüllt. Stimmung und Setting nehmen mehr Raum ein, als eine aktionsreiche Handlung. (An der es allerdings auch nicht mangelt, denn natürlich bekommt der Protagonist natürlich ordentlich was ab.)

Dem Autor gelingt es mit einer Sprachgewalt, die niederdrückende Stimmung, des über dem Dorf allzeit drohenden Gletschers, die Dunkelheit und die Kälte des herannahenden Winters, die Einsamkeit des neuangekommenen Lehrers, mit seinen inneren Dämonen und Alpträumen, das seltsame Verhalten der Dorfbewohner, das ewige Misstrauen, die unterschwellige Bedrohung, so plastisch darzustellen. All das begräbt den Leser regelrecht, dass man sich nicht sicher sein kann, ob man dem düsteren Geheimnis von Thannsüß entkommen kann, nur weil man am Ende das Buch zuklappt.

(Ohne zu Spoilern: Man kann es nicht, weil die existenziellen Fragen nach Schuld und Vergebung, die Mattgey hier in einer großartig inszenierte Geistergeschichte setzt, vor allem durch den Schluss, noch lange nachhallen.)

Ist man wirklich so neugierig, dass man dem Lehrer folgen will? Will man überhaupt erfahren, was in dem düsteren Ort, abgeschieden von moderner Zivilisation und beherrscht von christlichem Aberglauben überhaupt vor sich geht?

Natürlich will man. Denn darum liest man Horror und Mystery Geschichten. Und was Rupert Mattgey hier serviert, ist ein geniales, atmosphärisch dichtes Werk, dass seine Spannung aus der Zerrissenheit des Protagonisten, seinen inneren Dämonen und den unerklärlichen Ereignissen um ihn herum zieht.

Man fühlt es förmlich. Die Faszination, die diese mächtige Berglandschaft bei Tage und Sonnenschein ausüben kann. Ebenso den Schrecken, der Visionen und nächtlichen Besuche, wenn sich etwas aus den dunklen Wäldern erhebt, die Dorfbewohner einen mit leeren Augen anstarren und man nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden kann.

»Der Teufel in Thannsüß« ist ein bildgewaltiger, düsterer Mystery-Horror-Trip, der spielend die 5 Sterne-Marke bei Amazon erreicht.