Klappentext:

Sogar in den endlosen Weiten der mongolischen Steppe lautert das Böse – doch manchmal versteckt es sich gut …

Kommissar Yeruldelgger hat selten gute Tage, aber heute ist ein besonders schlechter: Erst wird in der mongolischen Steppe die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden, tief in der Erde vergraben auf seinem Dreirad. Kurz danach entdeckt man in der Hauptstadt die entstellten Leichen chinesischer Geschäftsleute. Zwei Fälle, die Kommissar Yeruldelgger vor ein Rätsel stellen. Er ahnt noch nicht, dass die Verbrechen zusammenhängen. Und dass sie Teil eines perfiden Plans sind, der Jahre zuvor sein Leben fast zerstört hat – und ihm jetzt das wenige zu nehmen droht, das ihm noch geblieben ist …

Ich lese eher selten Krimis oder Thriller. Das bevorzugte Format, in dem ich solche Geschichten am liebsten konsumiere, ist das Fernsehen. Doch hin und wieder gibt es so ein Buch, dass mich antriggert, den SuB links liegen zu lassen und zuzugreifen.

»Der Mongole – Das Grab in der Steppe« ist so ein Buch. Mongolen, die Indianer des Ostblocks. Ein Thema, das mich schon immer fasziniert hat, auch wenn ich ehrlich bin und über die Dschingis Khan Historie kaum hinaus gekommen bin. Abgesehen davon, dass ich tatsächlich mal jemanden kannte, der sich Anfang/Mitte der Neunziger in der Hauptstadt der Mongolei Ulan Bator (so schrieben wir es damals!) um Straßenkinder gekümmert hat. Ich weiß, wie das klingt … ich kannte mal jemanden, der jemanden kannte …

Zurück zum Buch: Wenn ich nämlich doch zu Krimis/Thrillern in Buchform greife, dann ist es, weil sie etwas Neues versprechen. Das sie etwas anders machen. Tana French war vor Jahren mal so jemand, der mich literarisch echt vom Hocker gehauen hat. Oder Roger Smith mit seinen Thrillern, die in Südafrika spielen. (Wobei mir da einer tatsächlich gereicht hat. Der war gut, keine Frage, aber mehr wollte ich dann nicht davon.)

Das Setting Mongolei ist nun definitiv unverbraucht und so las ich die Leseprobe, die mich auch ziemlich begeisterte. Da war schon eine Menge drin. Gute Beschreibung der Lebensumstände in der mongolischen Steppe, die Landschaft, die Mentalität der Leute, ein Leichenfund, ein Kommissar und ein Landpolizist, etwas Humor …

»Der Mongole – Das Grab in der Steppe« ist ein ziemlicher Wälzer und jetzt, wo ich ihn durch habe, bin ich doch ziemlich zwiegespalten.
Das Positive zuerst: Ich nehme Ian Manook ab, dass er lange in der Mongolei gelebt hat und sich somit auskennt. Nachprüfen kann ich nichts und somit bleibt die Aussage: Er vermittelt in dem Buch ein plausibles Bild der Mongolei in der postsowjetischen Ära. Zeigt mir als Leser anschaulich die landschaftliche Faszination dieses Landes, die eng damit verbundenen Mythen und Traditionen aber auch den Gegensatz: Den Schmutz, die Korruption der neuen Zeit, den Turbokapitalismus nach chinesischer Ausprägung, der wahrscheinlich in Asien alles bestimmend ist.

Besonders gut haben mir die Passagen gefallen, in denen die mythische Komponente der Nomaden in die Handlung einfließt, ob es um Schamanen, Mönche oder Träume ging, das waren Elemente, die hier für mich sehr gut gepasst haben. Einem Krimileser, der für das Fortschreiten der Ermittlungen ständig nachvollziehbare Erklärungen braucht, wird das vielleicht stören.

Was mich dann gestört hat … nein, das ist nicht die richtige Formulierung. Denn ich habe das Buch zu Ende gelesen und mich keine einzige Sekunde gelangweilt oder geärgert. Wie oben schon erwähnt:

Ich bin hin und her gerissen.

Die Krimihandlung finde ich nicht sehr ausgewogen. Irgendwie hatte ich nie den Eindruck, als bestünde wirklich für die Protagonisten ein Interesse daran, die beiden Fälle aufzuklären. Mag sein, dass es ein den Figuren selbst liegt.

Yeruldegger, der eigentlich wirklich nur seine eigenen Vergangenheit aufarbeiten will, was an sich noch nicht einmal stören würde. Aber gehen wir mal in die Schreibtheorie:

Ein Protagonist hat ein Ziel, dem lege ich als Autor Steine in den Weg und dadurch entsteht Spannung.

Nun agiert Yeruldegger wie eine Art mongolischer Schimanski allerdings im Körper eines Superhelden. Kein Witz. Der Typ steckt im Laufe der Handlung so viel ein, ohne zu leiden, zu brechen oder ähnliches … dass einfach keine Spannung aufkam, da klar ist: Der überlebt alles!

Freund und Feind scheint es für ihn nicht zu geben. Auf mich wirkte er insgesamt extrem gleichgültig und damit sogar blass, so dass ich nicht mit ihm mitfiebern konnte oder wollte.

Und das, obwohl der Plot eigentlich die Grundvoraussetzung eines Thrillers hat, da der Ermittler, im Gegensatz zum Krimi, hier eigentlich wirklich »auf die Fresse bekommt« und nicht der oben drüber agierende Aufklärer ist.
Nur irgendwie, kriegt es Ian Manook nicht hin. Auch alle Nebenfiguren sind im Grunde nur ein Sammelsurium allseits bekannter Klischeetypen, ohne jede Nuancierung. Dadurch entsteht auch keine Spannung, da jegliche Überraschung fehlt. Der Leser weiß genau, was er von jeder Figur zu erwarten hat und bekommt es auch tatsächlich genauso einszueins vorgesetzt. Schade.

Was man meiner Meinung nach als Autor nie machen sollte, ist dem Leser gegen Ende der Story »ein weißes Kaninchen aus dem Hut zu zaubern«. Der Leser fühlt sich da meist verarscht. Gerade bei einem Krimi.

Ian Manook tut es leider. Das entscheidende Indiz, das gegen Ende gefunden wird, um den Täter zu überführen, wird eben auch erst gegen Ende zum ersten Mal erwähnt. So etwas stößt mir als Krimikonsument echt übel auf. Vor allem, weil ich denke, dass man als Autor oder später wenigstens der Lektor/die Lektorin dann in der Überarbeitung kleine Hinweise auf dieses Indiz schon früher in der Story hätte platzieren können.

Die Idee, als Kapitelüberschriften, den jeweils letzten Satz, des vor einem liegenden Kapitels zu nehmen, entpuppt sich übrigens dann gerade beim letzten Kapitel als finaler Twistkiller. Keine Ahnung, warum man so was macht.

Zu guter Letzt störte mich über weite Strecken die Sprache. Hier weiß ich nicht, ob es am Autor oder der Übersetzung lag. Es werden oft innerhalb weniger Sätze, die immer gleichen Adjektive verwendet oder sogar Formulierungen wiederholt.

Beispiel:

»Er hatte sich im Laufe der Jahre zu einem der übelst beleumdeten Orte von Ulaanbaatar entwickelt. Der Markt war rund um die Uhr geöffnet; zu jeder Tages- und Nachtzeit wimmelte es von Käufern und Verkäufern, Hausierern, Taschendieben, fliegenden Händlern, Prostituierten, kleinen Gaunern, Bettelmönchen, ordinären Geschäftsleuten, Drogenhändlern und Bauerntrampeln. Seit ein paar Jahren hatte sich dieser Ort den übelsten Ruf von Ulaanbaatar erworben.« (Also meine Lektorin würde mir das um die Ohren hauen!)

Fazit: Ein Buch, das mit einem unverbrauchten, und meiner Wahrnehmung nach, authentisch dargestellten Setting überrascht aber mit dem Plot und den Figuren nicht zu überzeugen weiß.

3 Sterne.

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