»Nighthunter – Hinter den Kulissen« Episode 05

Eigentlich sollte diese Geschichte gar nicht geschrieben werden.
Ja, du hast richtig gelesen.
Wenn du, wovon ich einfach mal ausgehe, die »Nighthunter« seit dem ersten Band begleitest, dann weißt du, dass ich mit Band 4 zurück in die Vergangenheit gegangen bin.
Danach wollte ich sogar noch weiter zurückgehen.
Ich hatte geplant, in Band 5 zu schildern, wie es dazu kam, dass Horace Whittmore den Vampir Louis Royaume seit zehn Jahren jagt, und aus dem Plot dieser Geschichte ergab sich der Plan, in Band 6 zu schildern, wie sich Louis und Geistwolf kennengelernt haben. Dann fehlten natürlich noch die jeweiligen Geschichten der beiden Nighthunter, wie Louis zum Vampir und Geistwolf zum Skinwalker geworden sind.
Als ich mit der Rohfassung für die »Posaunen von Jericho« fertig war, lief auf Lovelybooks die Leserunde zu »Die Zombies von Pine Hill«.
Ich habe in meinem Blog ja erzählt, dass diese Leserunden für mich mittlerweile eine der wichtigsten Sachen sind, was die Arbeit an der Serie anbelangt. Nirgendwo anders (nach den TestleserInnen und dem Lektorat) bekomme ich so viel und vor allem so konstruktives Feedback, was mich natürlich ungemein motiviert.
In der Leserunde habe ich den Teilnehmern damals schon erzählt, was ich für Band 4 und 5 und die weiteren geplant habe.
Dort kam dann die einhellige Meinung auf, dass die Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, natürlich wichtig sind und auch unbedingt erzählt werden müssen. Die Leser wollen ja nicht nur die Abenteuer von Louis und Geistwolf erleben, sondern auch wissen, wer sie sind, warum sie sind, was/wie sie sind usw.
Allerdings meinten die Teilnehmer, dass ein Rückblick über mehrere Bände in die Vergangenheit verwirrend sein könnte. Lieber sollte ich von Band zu Band zwischen der Handlung in der Gegenwart und der in der Vergangenheit wechseln. (Hier kam auch der Vorschlag für einen Zeitstrahl, den ich dann seit Band 4 ja auch drin habe, da dies der erste Band war, der von der Chronologie abgewichen ist.)
An dem Punkt stand ich nun vor der Herausforderung, die groben Ideen und Plotskizzen für Band 5, 6, 7 und 8, die natürlich schon längst fertig waren, erst einmal beiseitezulassen und mir eine komplett neue Geschichte auszudenken.
In der Planung meines Gesamtkonzeptes wusste ich schon von Band 1 an, dass ich Horace Whittmore nicht ewig mit dem Mondstein davonkommen lassen wollte. Einfach, weil ich das selbst unglaubwürdig finden und mir als Leser verarscht vorkommen würde, wenn das der rote Faden ist, der alles ewig zusammenhält.
Somit stellte sich für mich die Frage, wie die Nighthunter Whittmore endlich fassen können.
Immerhin jagen sie ihn ja (für die Leser der Serie) bereits seit über einem halben Jahr erfolglos. Er scheint also nicht ganz ungeschickt zu sein.
Was also musste passieren, damit er ihnen endlich in die Falle tappt und vor allem: Bekommt Louis dann sein Amulett zurück und alles ist gut? Sollte es schon wieder einen apokalyptischen Showdown wie in »Jericho« geben?
Eine meiner wichtigsten Recherchedatenbank ist die Seite:
www.legendsofamerica.com
Hier stieß ich auf die Legende von Black Jack Ketchum, und in dem Moment wusste ich, dass das die Story war, die ich brauchte. (Wenn du gut Englisch verstehst, schau sie dir mal an. Ansonsten, ich nutze für so einfache Übersetzungen immer www.deepl.com)
Horace Whittmore, der in seinen ideologischen Grundfesten ja bereits durch das erschüttert wurde, was er in Jericho erlebt hatte, und der jetzt auch noch weiß, dass sein alter Widersacher, obwohl Whittmore mit angesehen hatte, wie er von unzähligen Kugeln durchbohrt, mit Öl übergossen und angezündet wurde – aktuell wieder putzmunter unterwegs ist … dieser Horace Whittmore benötigte nur noch einen kleinen Schubs, bis er endgültig von seinem »Elfenbeinthron« stürzt. Da kam mir diese klassische »Haunted House Horror Story« (gut, bei mir ist es kein Haus, sondern eine kleine Stadt) ganz recht.
Übrigens ist diese Geschichte ein gutes Beispiel dafür, was m. M. nach der Unterschied zwischen den Genres »Mystery« und »Horror« ist. In einer Mystery-Story hätte ich am Ende die Möglichkeit gelassen, dass Horace sich das alles nur eingebildet hat. Dass es eben vielleicht doch nur seinem Fieber geschuldet war. In einer Horror-Story wird das Übernatürliche allerdings als selbstverständlich existent vorausgesetzt, weshalb der Pinkerton-Agent dem sich jetzt auch endlich stellen muss.
Immerhin ist Louis ein Vampir, Geistwolf ein Skinwalker, und was waren das noch mal für Wesen, die den Zug im ersten Teil überfallen haben? Du, lieber Leser, weißt mittlerweile, dass es hier draußen nicht nur Indianer und Cowboys gibt. Horace weiß es jetzt auch.
Was diese Erkenntnis jetzt allerdings für unseren Pinkerton-Agenten und sein Verhältnis zu Louis bedeutet …?
»Die Legende von Sixshot Booker« ist eine klassische Geistergeschichte, die bis auf den Epilog fast nichts mit dem Kontext der Serie zu tun hat. Natürlich, das habt ihr längst bemerkt, ist sie außerdem eine Verbeugung vor den Geschichten des großartigen H. P. Lovecraft.
Das liegt u.a. daran, dass ich von Anfang an vorhatte, in der »Nighthunter« Serie auch Geschichten zu erzählen, die nicht so viel mit der Kontinuität oder der Backstory zu tun haben. Ich wollte schon immer experimentieren.
Darum war es mir auch ein ziemliches Vergnügen, genau diese Geschichte so zu erzählen. Die Nighthunter kommen kaum drin vor, und wenn sie endlich auftauchen, dann ist es an Theatralik nicht mehr zu überbieten. Und gerade unser Freund Louis ist ja ein sehr großer Freund des starken Auftritts. Man könnte ihn schon fast als Dramaqueen bezeichnen!
(Auch wenn ich gestehen muss, dass meine beiden Lektorinnen mir die erste Fassung so derart um die Ohren gehauen haben, dass sie mir immer noch klingeln. Mal sehen, vielleicht veröffentliche ich die frühe Version ja irgendwann einmal als Bonus oder auf meiner Homepage. Dann kannst du selbst entscheiden, ob die beiden recht hatten. Ich habe mich bisher immer auf ihr professionelles Urteil verlassen.)
Ich hoffe, du hattest ebenso wie ich deinen Spaß und bleibst der Serie weiterhin treu.

Dein Anton
Juli 2019

ps. Ich hatte ja noch versprochen, etwas mehr zu »Bright Hope« zu sagen. Ok. Der Name der Stadt ist auch der Name einer Stadt in dem Weird-Western »Bone Tomahawk«.
(Das Jahr 1800. Irgendwo in der Nähe der Grenze zwischen Texas und Mexiko. Unwissentlich führt ein Gesetzloser eine Gruppe kannibalischer Höhlenbewohner in die friedliche Westernstadt Bright Hope. Dort verschwinden nach und nach einzelne Siedler, darunter auch die Frau des örtlichen Rinderbarons. Dieser begibt sich, trotz seines verletzten Beins, gemeinsam mit dem Sheriff, seinen alternden Deputys und einem zu allem entschlossenen Revolverhelden auf Rettungsmission. Was folgt ist die Hölle auf Erden, die durch die Brutalität der furchtbaren Gegner keine Gnade kennt…)

Den Film finde ich zu knapp 70% ziemlich gut. Die Idee um einen geheimnisvollen Indianerstamm, die Tarantino-haften Dialoge, Setting und Darsteller sind soweit wirklich ziemlich gut. Nur bin ich kein Freund von irgendwelchen »Mondo«-Sachen, dementsprechend finde ich dieses Kamera-explizit-auf-Kannibalismus-fokussieren ziemlich doof und damit rangiert der Film insgesamt in meiner Liebhaberliste sehr weit unten.

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