»Nighthunter – Hinter den Kulissen« Episode 04

Making Of »Nighthunter Artwork/Cover«

Ein Cover ist für mich sehr immens wichtig.

Gerade wo ich als Selfpublisher ausschließlich über Amazon veröffentlichte, muss das Cover schon in seiner »kleinen« Thumbnail-Ansicht derart aussagekräftig sein, dass die potentiellen Leser es anklicken, ohne auch nur irgendeine weitere Info zu haben.

Ich bin nicht Stephen King oder Sebastian Fitzek. Diese haben als etablierte Autoren den Vorteil, dass sie eigentlich gar keine Cover brauchen. Da würde der Name des Autors, der Titel des Buches und eventuell noch ein Hinweis, wann es erschienen ist, damit man sieht, ob es sich um eine Neuerscheinung handelt, völlig reichen.

Die Cover meiner »Nighthunter« mussten also mehrere Informationen übermitteln:

Es handelt sich um eine Serie.
Es ist ein Western.
Es ist Horror.
Es ist Fantasy.
Es gibt einen Vampir.
Den Gestaltwandler lasse ich hier mal bewusst aus, da er als solcher nur in Form eines Comics darstellbar wäre.

Nun kann ich mit meinem Budget leider keine 1000 € für ein Cover ausgeben, damit mir ein Illustrator genau das kreiert, was ich gerne hätte.
Dennoch ist es auch für mich (und jede andere Autore*in) möglich, ein Cover zu bekommen, dass professionell aussieht und dennoch nicht 1000€ kostet.

Dafür gibt es erstens gute Designer und vor allem sog. »Stockbilder«. Mir ist klar, dass Grafiker und Fotografen dieses »Stockbild« Format nicht cool finden. Ich würde auch lieber einem Illustrator die o.g. Summe pro Cover zahlen und dafür Bilder bekommen, die absolut individuell sind und allen meinen Vorstellungen bis ins Kleinste entsprechen. Kann ich mir aber (noch) nicht leisten.

Die Verwendung von Stockbildern hat nämlich zwei Nachteile. Die Chance ist sehr groß, dass die verwendeten Motive auch auf anderen Büchern oder auf irgendwelchen Flyern, anderen Homepages etc. auftauchen. Das macht es schwer, die eigenen Werke als Marke zu etablieren.

Zweitens, bekommt man nicht genau das, was man vielleicht im Kopf hat.

Wenn es gut läuft, kommt die Designer*in nah ran.

Da »Western« das vorherrschende Genre meiner Serie ist, schaute ich mir zunächst diverse Cover von Filmen und Büchern an. Irgendwann war klar, die meisten haben diese Zweiteilung. Oben einen oder mehrere Protagonisten, unten eine entsprechende Szene, die auf die Geschichte neugierig macht oder das Setting verrät. Im Gegensatz zu Filmen von John Ford besteht der Wilde Westen ja nicht nur aus dem Monument Valley.

Ich wollte für den oberen Teil ein Bild von Louis, so wie ich ihn mir vorstelle. Bleicher, adliger Typ, schwarzer breitkrempiger Hut, vielleicht aber nur vielleicht, ein paar angedeutete Blutstropfen an den lächelnden Lippen und so coole Revolver, wie die von Idris Elba in der »Dark Tower« Verfilmung.
Gab es aber nicht.
Bei der Recherche nach passenden Bildern, stießen Giusy von Magicalcover (die Designerin) und ich, u.a. auf ein Motiv, dass ich von dem Buch »Skin Medicine« aus dem Luzifer-Verlag kannte. Das zeigte mir zumindest, dass man wirklich mit Stockbildern arbeiten kann, ohne dass es danach so aussieht. (Denn das hätte ich bei »Skin Medicine« nie gedacht.)

Zum Glück fanden wir dann den Kerl, der jetzt das Cover ziert. Er sieht dem »Skin Medicine Darsteller« nur etwas ähnlich. Giusy schaffte es, ihn so dunkel zu machen, dass man den Schnurrbart kaum sieht. Denn der Typ auf dem Bild hat einen, Louis natürlich nicht.
Die Revolver fanden wir auf einem anderen Bild, wo der Träger der Waffen aber noch weniger wie mein Vampir aussah, so dass Giusy sie austauschen konnte. Schädel, Krähen in den Hintergrund und der obere Teil war fertig. (Und wir hatten durch das Zusammenfügen verschiedener Elemente sogar etwas Individuelles.)

Damit war der obere Teil fertig, denn einen passenden Indianer gab es (zu dem Zeitpunkt) gar nicht.

Etwas schwieriger gestaltete sich dann der untere Teil.
Einen Ghul zu finden war recht einfach. Ich wollte aber unbedingt den Zug drauf haben. Wie oben erwähnt. Das Cover des ersten Teils, musste alles erzählen, was die Serie ausmachen würde. Das Western-Setting war mir wichtig und wenn man keine vernünftigen Indianer oder Gunslinger bekommt, dann symbolisiert ein Zug es am besten. Zumal es im ersten Teil ja auch um einen Überfall auf einen Zug geht.

Ziemlich jeder hat eine Vorstellung davon, wie ein alter Zug aus dem Wilden Westen aussieht. Nur, leider gibt es davon keine Stockbilder. Die historischen Fotos (Illustrationen, Postkartenbilder) passten entweder nicht zu den anderen Motiven, oder man darf sie gar nicht verwenden. Ebenso verhält es sich mit den restaurierten Zügen, die heute noch in den USA fahren. Sie werden von Tourismusunternehmen betrieben, die sicherlich nicht begeistert sind, wenn ich ihr wichtigstes Werbeinstrument für ein Buch nehme. Abgesehen davon, dass wir keine Bilder von Zügen brauchten, die mit dicken Männern mit Anglerhüten und eisessenden Kindern, übersät sind.
Schlussendlich fanden wir eine Aufnahme von einem verrosteten, stillgelegten Zug, der irgendwo in einer leeren Landschaft vor sich hin rottete.
Und Giusy gelang es, diesen zum Leben zu erwecken. Zugute kam ihr sicherlich die Tatsache, dass es sich in meiner Geschichte um einen Nachtzug handelt.

So gingen wir 2019 an den Start und für den damaligen Zeitpunkt war ich eigentlich recht zufrieden.

Doch die simple Tatsache, dass ich keinen Skinwalker auf dem Cover hatte, wurmte mich weiter.

Da der Titel »Nighthunter« Einzahl und Mehrzahl bedeuten kann, wäre es nicht notwendig gewesen, aber die Reihe wird nun einmal in erster Linie von zwei Kerlen getragen. Das ist wie Winnetou und Old Shatterhand. Nur, dass ein Leser bei Karl May es weiß. Bei mir nicht.

Ich suchte also immer weiter. Der große Nachteil an »Indianern« auf Stockbilder-Plattformen ist, dass es meist keine sind. Es sind im Grunde immer Europäer, die als Indianer geschminkt sind und ganz offensichtlich eine andere Zielgruppe als ich ansprechen wollen. Sie scheinen eher auf die »Frau verliebt sich in den edlen Wilden« Romanzen abzuzielen.

Geistwolf ist doch aber ganz anders.
Irgendwann fand ich einen »Indianer« der halbwegs cool aussah. Zumindest passte er von der Haltung der Fäuste und seinem Zähnefletschen ganz gut, zu dem bisherigen Louis.

Wir packten ihn solo auf das Cover von Band 2 und ab Band 3 waren sie dann beide immer drauf.

Damit hatten wir den letzten Punkt der Vorgaben erfüllt. Es ist auf den ersten Blick klar, dass es sich bei »Nighthunter« um eine Serie handelt und wir hatten in Bezug auf die jeweiligen unteren Hälften jetzt mehr Freiheiten. Konnten auch mal kryptischere Szenerien, wie das Stillleben auf dem hier vorliegenden Band 4 machen.

Doch die Sache mit dem Indianer ließ mir keine Ruhe. Denn der Kerl, den die Leser*innen unter euch, die von Anfang an dabei sind noch kennen, sah einfach nicht so aus, wie ich mir Skinny vorstellte.

Ende 2019 beschloss ich dann, einfach nochmal eine größere Summe in die Hand zu nehmen, und kontaktierte den einzigen Illustrator, den ich kenne, der so zeichnen kann, dass es wie ein Foto aussieht.

Arndt Drechsler. Der Mann macht seit Jahren Cover. Für den Bastei-Verlag aber auch für viele Selfpublisher. Er ist bekannt für seine Perry-Rhodan Arbeiten. (Alle Raumschiffe von ihm sind mit der Hand gezeichnet.) Er hat aber auch »Longmire« für Festa gemacht, immerhin ein Neo-Western und diverse Fantasy-Sachen.

Meine Vorgaben an Arndt waren, ich will einen Native, der so abgeklärt aussieht, dass man ihm abnimmt, dass er dreihundert Jahre alt ist, kaum noch redet, weil er jedes Wort schon tausendmal gesagt und gehört hat und alles überflüssige somit vermeidet. Als Vorbild gab ich Arndt ein Foto von Wes Studi in seiner Rolle in dem Western »Hostile«.

Und zum Glück ist Arndt ein absoluter Profi. Er weiß z.B. um die Schwierigkeit, einen Native zu kreieren, der nicht wie ein blöder Statist in einem europäischen Western aussieht und dennoch als Indianer zu erkennen ist.
Unser Bild eines American Native ist nämlich so weit von der Realität entfernt, dass wir einen authentischen Native nicht als Indianer anerkennen würden.

So schuf Arndt einen Geistwolf, der durchaus die von uns Europäern geliebten Merkmale trägt. Hohe Wangenknochen, Adlernase, auch etwas Androgynes. Er ist ein Kerl, den eine Frau auch ganz attraktiv finden könnte. Die Haare sind nicht ganz so grau, wie sie eigentlich sein sollten, nur macht sich grau als Farbe auf einem Cover nicht so gut. Dafür kann Arndt aber saugute Falten zeichnen und dem Dargestellten am Ende noch Wolfsaugen zu zeichnen, war für ihn dann auch kein Hexenwerk mehr.

Jetzt endlich ist Skinny so, wie ich ihn mir vorstelle. Der Lehrer, der mehr mit Gandalf gemeinsam hat, der sich ja auch als grandioser Kämpfer herausstellt, als dem jungen, wilden Schönling, den wir vorher verwendet hatten.

Das weckte in mir den Wunsch, auch Louis noch mal überarbeiten zu lassen.
Ich fragte Arndt, ob es möglich sei, dem Vampirzähne zu verpassen. Die man erst beim zweiten Hingucken wahrnimmt.
Arndt gab zu bedenken, dass geöffnete/schreiende Münder auf Covern immer eher dämlich aussehen und verwies dabei auf die alten klassischen Horror-Heftromane.

Er meinte aber auch, dass, wenn der Typ eine Art Amulett tragen würde, könnte man dieses von den Lichteffekten her so in den Mittelpunkt stellen, dass der Betrachter es als Erstes wahrnimmt. Damit würde ein geöffneter Mund nicht mehr ganz so dominieren.

Perfekt, schrie ich. Denn in der Geschichte gibt es doch den Mondstein. Einen blauen Edelstein, der für Louis eine immense Bedeutung hat.

Und so ist der obere Teil der Cover jetzt wirklich so, wie ich es immer wollte. Jeder, der die Reihe nicht kennt, noch nie etwas von ihr gehört hat und jetzt das Cover von Band 1 (alle folgenden natürlich auch, aber Band 1 dürfte den meisten zuerst über den Weg laufen) sieht, hat alle Informationen, die er braucht. Vampir. Indianer mit Wolfsaugen. Old-West-Zug in düsterer Western-Landschaft. Ein aggressives Monster.

Er weiß also jetzt schon, ob es sich für ihn lohnt, auf das Cover zu klicken und sich den Klappentext durchzulesen. Das Risiko, dass er nach diesem Klick, das Buch nicht kauft, weil es so gar nicht seins ist, ist damit sehr gering. (Übrigens weiß ich mittlerweile, dass tatsächlich für viele Leser*innen mein Hinweis »Garantiert ohne Romance« zur endgültigen Kaufentscheidung geführt hat. Das freut mich, denn ich wollte damit klar machen, dass mein Vampir wirklich nicht »in der Sonne glitzert« und niemand ist, der mit albernen, pubertären, amerikanischen High-School-Girls anbandelt. Wenn überhaupt, würde er sie als Nahrung betrachten. Nein. Als »Horsd’œuvre« (Vorspeise), denn unser Louis ist ein Feinschmecker.

Mit dem Neuerscheinen des sechsten Bandes beschloss ich, alle schon erschienenen Bände einer Cover-Kur zu unterziehen und so präsentieren sich die »Nighthunter« jetzt so, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte.

Das motiviert mich ungemein, weiter zu machen, denn die Kohle, die ich Arndt bezahlt habe, muss ja auch wieder reinkommen. *lach*

In diesem Sinne
Ich hoffe, ihr habt an den neune Titelbildern ebenso viel Spaß wie ich. (Und an der ganzen Geschichte natürlich sowieso.)

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