»Nighthunter – Hinter den Kulissen« Episode 03

Die Idee zu dem Plot des dritten Bandes entstand beim Durchstöbern von Stockfotos. (Das finde ich ja immer das Anstrengendste daran. Unzählige – teilweise überhaupt nicht zum Suchbegriff passende – Bilder anzuschauen.)
Als Selfpublisher ist dies allerdings immer noch die günstigste Methode, um an gute Bilder zu kommen, und so suche ich für die Serie »auf Verdacht« immer mal wieder nach den Schlagworten »Old West«, »Wild West« etc.

Dabei fand ich das Foto, das jetzt das Cover von Band 3 ziert. Sofort hatte ich dieses Bild im Kopf, dass die Soldaten da drauf irgendwie Zombies, Tote oder Dämonen sind und seit Jahren durch die Lande streifen, um einen Krieg zu führen, der eigentlich längst zu Ende ist.

In Band 1 gibt es einen kurzen Dialog, der einen Hinweis auf die Welt gibt, in der ich meine Serie platziert habe:

»Ich war beim ersten Kavallerieregiment unter Lieutenant Custer.«
»Custer war bei der zweiten«, konterte ein schmieriger Typ, der ein dunkles kariertes Jackett und pomadetriefende Haare trug.
»Armstrong, verehrter Herr. Lieutenant George Armstrong Custer war im Bürgerkrieg bei der zweiten Kavallerie. Ich war bei seinem Bruder.«
»Thomas oder Buster?«
»Neil. Neil Armstrong Custer.«
»Nie von gehört.«

Jeder Western-Fan kennt General George Armstrong Custer. Der, gegen den die Sioux und Cheyenne bei Little Big Horn ihren letzten, großen Sieg errangen. Mit der Beteiligung so namhafter Häuptlinge wie Crazy Horse, Sitting Bull, Red Cloud … Ein Blick in Wikipedia zeigt, dass es seine Brüder Thomas und Buster ebenfalls gab.
Neil Armstrong Custer gab es nie. (Es gab Neil Armstrong, nach dem können Sie ja selbst im Internet recherchieren.:-))

So kam ich sehr schnell auf die Idee, meine Untote-Kavallerie-Story mit »Custers letzter Ritt« zu betiteln. Der Western-Fan würde definitiv neugierig werden und außerdem hatte ich somit schon eine schöne Backstory für meinen Plot. Warum niemand Neil Armstrong Custer kennt. Weil seine Geschichte zu den größten Geheimnissen der US-amerikanischen Historie gehört. Militärischen Geheimnissen natürlich. Fast so, wie bei »Akte X«. Die große Verschwörung, von der die Regierung und das Militär wissen …

Grundsätzlich spielt die gesamte Serie ja in einer von mir erdachten Welt. Diese hat allerdings unübersehbare Parallelen zu unserer Historie.
Der Vorteil für mich als Geschichtenerzähler ist, ich muss nicht einen komplexen Weltenentwurf kreieren, wie es z. B. Fantasy- oder Science-Fiction-Autoren machen. Ich kann, vor allem dank Wikipedia, auf historisch belegbare Elemente zurückgreifen und diese mit (m)einem Touch »Fantasy« kombinieren.

Der Wilde Westen, in dem »Nighthunter« spielt, ist eine Art idealisierter Wilder Westen.
Irgendwann nach dem Ende des Bürgerkrieges, vor der endgültigen Besiedlung – nein Eroberung – des Westens.

Man hat sich vertraglich mit den meisten Stämmen geeinigt, nicht weiter nach Westen vorzudringen, und die Natives haben deswegen noch ziemlich große Stammesgebiete. Es gibt nur einige Postkutschenrouten und noch weniger Eisenbahnverbindungen durch das Land zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains.

Ein Zusammenleben ist (noch) möglich und vor allem verschwimmen in dieser Zeit die uns bekannten Stereotypen. Im amerikanischen Western waren die Natives lange Zeit einfach die raubenden, mordenden Wilden. Irgendwann gab es eine Verdrehung und man sah nur noch die edlen Wilden. Beides ist in meinen Augen rassistisch und unrealistisch.

Spannender finde ich z. B. solche Konstellationen, wie sie in der Wirklichkeit stattfanden. Crazy Horse war nach seinem Sieg über Custer, den ihm viele Weiße sehr übel nahmen, dennoch Offizier bei der US-Kavallerie und half gegen andere Stämme, wie z. B. die Nez Perzes zu kämpfen. Während sich Red Cloud als diplomatisch handelnder Häuptling längst auf eine Reservation zurückgezogen hat und befürchtete, dass Crazy Horse‘ kriegerischer Charakter dafür sorgen konnte, dass die Weißen den gesamten Stamm in Sippenhaft nahmen und das vertraglich ausgehandelte Reservatsgebiet noch mehr verkleinerten.

Die großen Vertragsbrüche, die es in der wirklichen Geschichte gab, gibt es in meiner Welt nicht. Ebenso wenig die berühmten Goldfunde in den Black Hills, die in unserer Welt zu der Schlacht am Little Bighorn River führten und dann doch das Ende der Prärievölker einleiteten.
Bei »Nighthunter« hat dieser Sieg der Sioux und Cheyenne dazu geführt, dass die amerikanische Regierung die Verträge von Fort Laramie unangetastet ließ.

Ich denke, es wird bei mir andere Ereignisse geben, die das existierende Gleichgewicht stören und sogar kippen werden. (Auch hier, super Parallelen zur klassischen Fantasy. Das Nebelreich voller Elfen, Trolle und Riesen am Rande der zivilisierten Ritterwelt …)

Außerdem erlaube ich mir einige historisch unmögliche Gimmicks. Zwar versuche ich, mich innerhalb der Geschichte in einem halbwegs plausiblen Kontext zu bewegen. Aber ich schreibe ja keinen historischen Roman.

Dazu sind die Einflüsse auf diese Serie selbst viel zu sehr Geschichten, die Genre-Grenzen durchbrechen. (z. B. die Manga/Roman/Anime-Serie »Vampire Hunter D«, die mich beeinflusst hat, ohne dass mir dies bewusst war. Es war einfach zu lange her, dass ich einen der Filme gesehen habe. Aktuell lese ich die bei Carlsen erschienenen Manga. Sozusagen, um zu schauen, was da eigentlich so alles vermischt wird.)

Ich höre beim Schreiben immer Musik. Bei »Nighthunter« ist es keine »authentische« Country & Western Musik, sondern der Soundtrack zu beiden Staffeln der Serie »Westworld«.

So gibt es in meiner Welt z. B. auch Walzenspieler, die den Song »Painted Black« von den Rolling Stones wiedergeben (so geschehen in: »Die Zombies von Pine Hill«), da mich diese auf Walzenklavier arrangierten modernen Pop-Songs an den »Westworld« Soundtracks wirklich begeistern.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, beim Lesen von »Nighthunter« die Soundtracks ebenfalls zu hören. Es macht höllisch viel Spaß. (Ja, die erste Staffel der Serie ist auch genial, aber das ist hier nicht das Thema!)

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