»Nighthunter – Hinter den Kulissen« Episode 01

Vom Schreibkurs zur Horror-Western-Serie.

Alles begann damit, dass ich auf Grund äußerer Lebensumstände knapp 6 Monate nicht zum Schreiben kam.
(Gut, ich hätte auch sagen können, stell dich nicht so an, du wolltest das professionell machen, andere gehen in so einer Situation auch weiter arbeiten … blablabla … hab ich nicht!)
Als sich unser Leben wieder soweit sortiert hatte, dass ich mit dem Schreiben weitermachen konnte, wollte, sollte …

Stellte sich zunächst ein neurologisches/psychologisches Problem dazwischen:

Das menschliche Gehirn benötigt ca. 6 – 8 Wochen, um etablierte Verknüpfungen aufzulösen und neue zu schaffen.
Sprich: Liebgewonnene Gewohnheiten zu ändern, dauert bis zu 2 Monaten. Ich kann das bestätigen! Als ich mit dem Joggen angefangen habe, dauerte es 8 Wochen, bis ich den Punkt erreicht hatte, nicht jeden Morgen gegen tausend Ausreden anzukämpfen, um loszulaufen zu können.
Übrigens scheitern die meisten Neujahrsvorhaben und Diäten genau daran. Die Leute halten die 2 Monate einfach nicht durch und geben viel zu früh auf.

Mein Hirn war jetzt also seit 6 Monaten gewöhnt, im Tagesablauf keine Routine zum Schreiben zu haben.
Dennoch war ich wild entschlossen.

Ich schrieb auf Zetteln, in Notizbücher und in meinem geliebten Papyrus-Schreibprogramm. Ideen, Plotskizzen, Figurenentwürfe gab es genug.
Viele davon hatten auch ihren Platz in der Welt von »Vakkerville«.
Eine Bonusstory vielleicht, die vor der Trilogie spielt, eine indirekte Fortsetzung Jahre später … alles toll, nur alles hatte einen gewaltigen Haken.
Die Sachen waren zu umfangreich, um baldigst zu einem Ergebnis zu kommen und damit extrem demotivierend.

Man lernt in jedem Workshop, dass man sich lieber kleinere Ziele setzen solle, weil nichts mehr motiviert, als eben das Erreichen von Zielen. Mir nutzten Schreibziele vom nächsten 1500 Seiten Roman nichts, da die frühestens in einem bis zwei Jahren veröffentlichungsreif sein würden.

In diesem eher frustrierenden Zustand las ich zufällig einen Artikel darüber, dass sich der analoge (aber mittlerweile auch der digitale) Groschenroman heutzutage immer noch recht gut verkauft.

Ich hatte schon immer großen Respekt vor den Autoren hinter diesen sog. Heftromanen. Ähnlich Drehbuchautoren müssen sie sich an Deadlines halten, das Warten darauf, dass die Muse einen küsst, funktioniert hier nicht.

Vor allem reizte mich, die Beschränkung auf eine recht übersichtliche Wortanzahl, denn hier lag nahe, dass ich das Ziel schneller erreiche und mich somit besser motivieren konnte, um zügiger eine Arbeitsroutine zu entwickeln.

Ich kenne einen dieser Autoren, Florian Hilleberg, der unter dem Namen Ian Rolf Hill für »John Sinclair« und »Maddrax« schreibt. Von ihm holte ich mir die notwendigen Eckdaten. Ein Heftroman bei Bastei-Lübbe hat ca. 25 000 – 30 000 Worte.

Ein Ziel, das zu erreichen sein sollte.
Joshua Three (Science Fiction und Fantasy Autor), der ein offensichtlich sehr produktiver Selfpublisher ist, schrieb mal irgendwo auf Facebook, dass sein Tagespensum 3 000 – 5 000 Worte sind.

Ich beschloss, es zunächst bei 1 500 – 3 000 am Tag zu belassen. Man will sich ja nicht übernehmen.

Nun musste noch eine Story her.

Hier kamen verschiedene Einflüsse zusammen:

Ich las vor einiger Zeit das wirklich großartige Comic »Priest«, das leider unvollendet ist. Meiner Meinung nach u.A. auch, weil sich der Autor in der Story total verzettelt hat. Aber die Grundidee, die übrigens nichts mit dem Film zu tun hat, finde ich immer noch grandios:
Das Vermischen der Genres Western und Horror, mit einer sehr ambivalenten (untoter, von Rache getriebener Priester) Hauptfigur.

Ebenfalls lese ich die Comic-Serie »East of West« (leider nur die ersten drei Bände auf Deutsch erschienen). Neben dem dortigen Genremix faszinierten mich am meisten die Figuren Crow und Wolf (beides indianische Gestaltwandler) und Death (einer der vier apokalyptischen Reiter hier als Revolverheld dargestellt).

Auf der Homepage des Autoren Robert Mc Cammon, von dem ich gerade den grandiosen ersten Band der »Mathew Corbett« Reihe las, entdeckte ich, die Reihe: »I Travel by Night« wo es um einen Vampir im Wilden Westen geht.

Neben den o.g. Einflüssen kann ich auch einen deutlichen Bezug zu Karl May nicht verleugnen. Ich habe ihn früher gerne gelesen und irgendwie reizte mich die »Buddie-Konstellation« mehr, als der mythische Einzelkämpfer wie bei »Priest«.

Dieses Kumpelding ist mir nur bei May zu pathetisch. Herrlich karikiert von Bully Herbig: »Mein Bruder! Mein Bruder! Mein Bruder!«

Beim Joggen hatte ich dann mit einem Mal eine Szene vor Augen, welche die perfekte erste Szene einer Geschichte bildet. (Ich habe die meisten Ideen beim Joggen und muss dann immer schnell nach Hause und die sofort aufschreiben.) Das Setting und die Hauptfiguren werden eingeführt und der Leser mit einem ordentlichen Haken zum Weitermachen geködert. Diese Szene ist jetzt übrigens genau das erste Kapitel, des hier vorliegenden Bandes.

Zu Hause angekommen, schrieb ich diese zunächst auf, dann machte ich mich an das Plotten der gesamten Story.

Mit der o.g. Wortvorgabe war es dann auch mit einem Mal kein Kunststück mehr, anhand der von mir geliebten 3-Akt-Struktur eine Geschichte zu plotten. Eine Story, die in sich geschlossen ist, allerdings auf Grund ihrer Hauptfiguren und des Settings genügend Raum für jede Menge Fortsetzungen gibt.

Allein meine Charakterbögen für die beiden wichtigsten Protagonisten und ihre (im ersten Band noch gar nicht alle in Erscheinung tretenden) Antagonisten sind mittlerweile ziemlich umfangreich.

So dass sich, allein auf Grund dieser Struktur – eine abgeschlossene Geschichte in ca. 25 000 Wörtern zu erzählen, darüber einen roten Faden mit Platz für … sehr viele weitere Geschichten … die nächsten Teile beinahe wie von selbst plotteten.

Für die Struktur der Serie entschied ich mich für eine etwas andere Art, als die am meisten verbreitete.

Serien funktionieren ja nach anderen Regeln, als z.B. Einzelromane, Reihen oder Trilogien.

Reihen sind Geschichten, die eigentlich (Keine Regel ohne Ausnahme davon) immer abgeschlossen sind. Jede einzelne spielt aber im gleichen Universum. Meist auch mit den gleichen Protagonisten. Das macht ein Quereinsteigen leicht.

»John Sinclair« ist so ein Beispiel. Da kann man auch mit dem aktuellen dreitausendsten Heftroman einsteigen. Bei »Nighthunter« wird das sicherlich schwierig. Mal abgesehen davon, dass ich wohl kaum dreitausend Teile und auch keinen vierzehntägigen Veröffentlichungsrhythmus schaffen werde.

Die »Harry Dresden« Bücher von Jim Butcher sind auch eher eine Reihe, als eine Serie. Quereinsteigen ist hier sicherlich auch möglich, chronologisch lesen aber geiler. Hier kann man aber durchaus auch ein Jahr zwischen den einzelnen Büchern verstreichen lassen, ohne dass man wieder von vorne anfangen muss. Weil sie in sich geschlossene Storys erzählen und die notwendigen Informationen aus den letzten Teilen auch immer wieder eingestreut werden.

Bei einer Serie würde das viel schwieriger werden, da Serien im Grunde sowas wie ein langer, in Einzelteile zerlegter Roman sind, der dann vielleicht noch in Staffeln gegliedert wird. Vor allem zeichnen sich Serien durch Cliffhanger aus. Am Ende jedes einzelnen Teils und zum Staffelfinale dann noch mal ein ganz fieser. (Also am Ende jedes Kapitels und am Ende jedes Buches nochmal. Siehe »Das Lied von Eis und Feuer«!)

Ich schaue mir ja immer auch gerne an, was die Kollegen_Innen so machen:

Nehmen wir z.B. »Die Chroniken der Seelenwächter« von Nicole Böhm. Die entsprechen vom Umfang der einzelnen Teile meiner Serie. Ansonsten folgen sie ganz klar dem Erzählmuster moderner TV-Serien, wie z.B. »Game of Thrones«.
Das Problem dabei ist, dass man für so einen digitalen »Heftroman« vielleicht 2 – 4 Stunden braucht, um ihn zu lesen. Und selbst wenn die dann monatlich erscheinen, wie bei den »Seelenwächtern«, habe ich aber ein Problem:

Was lese ich bis dahin?

Gerade, wenn man auch so ein Leser ist, der auf Abwechslung steht. Gerne auch verschiedene Genres liest.
Nach einem Monat kann es dann schon sein, dass ich die Hälfte von gerade mal knapp 30 000 Worten des letzten Teils dieser Serie vergessen habe und wieder von vorne anfange.
Oder ich warte, bis alle Teile der Serie vollständig sind, und lese sie dann … na ja. Wenn ich ehrlich bin, lese ich sie dann so gut wie nie, da viel zu viele andere Geschichten dazwischen kommen und ich die Serie dann irgendwie doch aus den Augen verliere. (Übrigens der Grund, warum ich mit »Chronik der Seelenwächter« aufgehört habe, obwohl die doch ziemlich cool waren. Falls sich jemand, der meinen alten Blog kennt, wundert, warum ich die nicht weiter rezensiert habe.)

»Game of Thrones« habe ich auch erst am Stück geschaut, als alle Staffeln veröffentlicht waren. (Fange ich doch mal mit »Das Spiel der Götter« von Steven Erickson an, jetzt wo klar ist, dass alle Bände in Deutschland erscheinen werden?) Ihr seht meinen Zwiespalt? Und euch geht es vielleicht genauso?

Für Leute wie uns, gibt es eine Form des seriellen Erzählens, die mich als Leser/Zuschauer auch über einen langen Zeitraum bei der Stange hält. Am besten erzählt sie nämlich immer ein in sich geschlossenes Abenteuer und hat darüber hinaus noch einen roten Faden, dem man folgen kann/will aber nicht muss.

Bisher kenne ich das nur aus dem Fernsehen. (Kann aber an meinen Genre-Vorlieben liegen. Vielleicht gibt es ja dreitausend Ebook-Serien in der Art im Bereich »Paranormale Romantik«? Was übrigens KEINE Urban Fantasy ist, auch wenn es euch gerne als solche verkauft wird! Anderes Thema.)

»Akte X« ist ein Beispiel für dieses andere Erzählen, dass eine Mischung aus Serie und Reihe darstellt. Neben den abgeschlossenen Einzelepisoden (sog. »Monster of the Weeks« gab es, meist am Anfang und am Ende der Staffeln, zusammenhängende Geschichten mit Cliffhangern, die der sog. »Mythologie« folgten. (Erst später erfuhr ich durch eine Rezension von der Serie »Supernatural«, die dem gleichen Erzählmuster folgt und darüber hinaus erstaunliche Parallelen zu meiner Serie aufweist. Ich schwöre, ich habe bis heute nicht eine Folge »Supernatural« gesehen!)

Diese Kombination macht(e) es einfach, der Serie über viele Jahre zu folgen. Die Protagonisten waren mir vertraut, ihre Backstory wurde nach und nach (übrigens vorbildlich schlüssig) enthüllt, bot also genug Spannung über die einzelnen Folgen und dann gab es da noch den roten Faden, den man sich sogar ohne die Einzelfälle hätte anschauen können. (Habe ich vor ein paar Jahren mal mit der DVD Box auch so gemacht.)
Viele Einzelfolgen von »Akte X« konnte/kann man andererseits gut schauen, ohne alle anderen zu kennen.

An diesem Erzählmuster orientiert sich »Nighthunter«. Wobei ich vorläufig, definitiv versuchen werde, mein Versprechen einzuhalten, dass jeder Teil ohne Cliffhanger endet.

Ich will euch einfach Geschichten bieten, mit denen ihr eine gute Zeit verbringen könnt, zwischen denen ihr andere Storys lesen könnt aber mir dennoch (hoffe ich) die Treue haltet und immer wieder zurückkehrt. Da ja noch genügend Geheimnisse bleiben, die eben ein serielles Erzählen regelrecht verlangen.

Einen monatlichen Veröffentlichungsrhythmus kriege ich solange nicht hin, wie ich neben dem Schreiben noch andere Verpflichtungen habe. (Alle zwei Wochen schon gar nicht. An »John Sinclair« schreiben viele Autoren!)

Ich strebe im Moment einen zweimonatigen Erscheinungsrhythmus an.

Wie ich das später mache, wenn ich so ca. 6 Protagonisten und ca. 2 – 4 Antagonisten etabliert habe, weiß ich noch nicht. Vielleicht werden die einzelnen Teile dann umfangreicher. Bei Band 4 ist es ja jetzt schon so, weil ich eine dritte Hauptfigur eingeführt habe.

In diesem Sinne, ich freue mich, wenn du einfach mal wieder in meinem alternativen Wilden Westen vorbeischaust.

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