Leserunden auf Lovelybooks, bringt das was?

Mein letzter Verlag, bei dem ich unter Vertrag war, hat die Frage mit »Nein« beantwortet.

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Als ich damals vorschlug, meinen neuesten Roman dort dementsprechend unterzubringen, um objektive Rezensionen, vor allem mehr Rezensionen zu erhalten, hieß es: »Sowas machen wir nicht, da sind nur Leute, die Bücher abgreifen wollen, ohne etwas dafür zu tun.«

Einer der Vorteile als Selfpublisher ist, dass ich von vornherein weiß, dass ich mich um jeden Mist alleine kümmern muss. Da ist kein Vertrag, in dem eigentlich drin steht, dass der Verlag für Werbung sorgen muss und wo ich mir dann für Unmengen an Kohle einen Anwalt nehmen müsste, um den Verlag abzumahnen, dass er seiner Verpflichtung gefälligst nachzukommen habe … blablabla …

Nein! Da ist niemand, der etwas für mich macht und ich weiß es. Also habe ich bereits bei den »Vakkerville Mysteries« Leserunden auf Lovelybooks veranstaltet. Damals relativ spät. Sprich, der erste Teil war definitiv schon eine Weile auf dem Markt. Das hatte damit zu tun, dass ich auf Grund der vergangenen Verlagsansage Lovelybooks nicht sehr ernst genommen hatte und mich nicht um meinen Zugang dort gekümmert habe. Dabei hatte ich sogar ein offizielles Autorenprofil. (Ich weiß nicht, wie es heute ist, damals kam man als Selfpublisher, also ohne Verlagsveröffentlichung nicht an so ein Profil, aber ich glaube, man konnte dennoch Leserunden veranstalten.)

Zuerst ließ ich ganz offiziell mein Autorenprofil bei Lovelybooks auf Anton Serkalow umschreiben, da es zu dem Zeitpunkt ein sog. »geschlossenes« Pseudonym war. (Heute ist es mir egal, ob jemand sich denken kann, wer hinter Anton Serkalow steckt, ich werde es aber nicht selbst herausposaunen.)

Zu dem Vorurteil, da wären nur Leute, die lediglich »für umme« Bücher abfassen wollen, kann ich sagen: Klar, wenn man sich nicht ein wenig dahinter klemmt, was man da eigentlich macht, wenn man eine Leserunde veranstaltet, ohne sich ein wenig darum zu kümmern, dann kann dass wahrscheinlich wirklich passieren. Dann ist man aber auch irgendwie selbst schuld.

Denn sobald man die Bewerberdaten hat, kann man sich das Profil derjenigen anschauen und selber sehen, wie engagiert derjenige ist. Hat der überhaupt schon mal Rezensionen verfasst? Schreibt der Beiträge auf Lovelybooks?

Wenn man heute eine Leserunde veranstaltet, muss man das nicht einmal mehr selbst machen. Sobald die Bewerberfrist um ist, stellt einem Lovelybooks nämlich all diese Angaben von sich aus zur Verfügung. Und wenn man dann Max Mütze, der erst seit drei Monaten Mitglied ist, noch nie eine Rezie verfasst oder einen Betrag geschrieben hat, sich aber schon bei zwölfhundertfuffzich Leserunden beworben hat … ein Buch schickt … tja. Siehe oben. Selbst schuld.

Überhaupt, des Engagement. Man sollte nun wirklich nicht davon ausgehen, dass man sein Buch über die Suche hinzufügt (das geht übrigens auch, wenn man bei der Suche »Amazon« als Datenbank auswählt, mit Büchern, die noch gar nicht erschienen und/oder bei LB nicht gelistet sind) und dann eine Leserunde ins Leben ruft und schon trudeln die Bewerbungen nur so ein. Es sei denn, man heißt Sebastian Fitzek oder so. Dann klappt das bestimmt.

Ich denke aber mal, bei den meisten von uns »kleinen Independentautoren« und Selfpublishern ist das nicht so. Da wundert man sich dann schon, dass man doch eine so tolle Leserunde auf LB anbietet, mit immerhin Zwanzig extra handgebundenen, auf mundgeschöpften Papier in Nachtarbeit gemalten und selbst vernähten Büchern … und …

Unter Umständen sollte man an dieser Stelle einfach darüber nachdenken, ob das Cover und der Klappentext nicht einfach doch so miserabel oder langweilig waren, dass das Buch einfach keine Sau interessiert. Für diese Erfahrung bezahlt man immerhin kein Geld. Also eh man Kohle für Werbung auf Facebook rausschmeißt, einfach mal eine Leserunde auf LB veranstalten.

Es kann natürlich auch sein, dass das tolle Angebot, was man da hat, einfach in der Masse untergeht. Denn ein neues Marketinginstrument ist eine Leserunde auf LB nun längst nicht mehr und wenn da gerade der Verlag von Herrn Fitzek …

Für »Nighthunter« hatte ich ein klares Ziel. Ich wollte Cover, Klappentext und Serienkonzept testen und ich wollte noch vor Veröffentlichung des ersten Teils einige Rezensionen haben. Das hat damit zu tun, dass ich jegliche Werbung (kostenfrei und kostenpflichtig) diesmal für den Releasetermin gebucht habe, in der Hoffnung so unter den neu erschienenen Büchern bei Amazon endlich mal für 1 Minute in ein Ranking zu kommen, wo man mein Buch sieht, auch wenn man nicht direkt danach sucht … anderes Thema.

Um Interessenten für die Leserunde zu gewinnen, habe ich gezielt nach all den Büchern gesucht, die ich selbst als Inspirationsquelle für »Nighthunter« benenne und/oder eben das, was als Genre benannt wird. »Weird West«. Eine kleine überschaubare Zielgruppe, aber es gibt sie und es sind mehr als 100! (Habe ich an anderer Stelle auf meiner HP beschrieben.)

Dann habe ich die Leute, die für diese Bücher positive Rezensionen verfasst haben, direkt angesprochen. So, wie man das als Autor machen sollte. Egal, ob man Blogger_Innen, Internetmagazine oder irgendwen über Facebook anschreibt. Immer mit Namen (zumindest der Profilname ist ja sichtbar) anschreiben und erst mal erklären, warum man ihn anschreibt. (»Hallo, ich würde dein Buch rezensieren, wenn du meins rezensierst« ist so eine Ansage, die ich auch schon bekommen habe, die landet, wenn ich gute Laune habe, im Papierkorb. Wenn ich mies drauf bin, traut sich der, der das verfasst hat, danach nicht mal mehr unter Pseudonym auf Facebook ans Tageslicht!)

Im Fall der Leserunde habe ich also den Leuten geschrieben: »Du hast Buch XY gut gefunden, ich könnte mir vorstellen, dass Dir dann mein Buch auch gefallen könnte, hättest Du eventuell Lust und Zeit …).

So habe ich z.B. auch einige potentielle Rezensenten gefunden, die nach eigener Aussage, nie an der Leserunde teilgenommen hätte, weil sie so etwas gar nicht interessiert.

Ich gebe übrigens Ebooks so viel raus, wie sich bewerben. Das kommuniziere ich auch offen. Ganz ehrlich, ich verkaufe den ersten Teil für 0,99€, warum sollte ich da bei einer Leserunde auf LB rumpienzen?

Ergebnis diesmal ist, dass ich bereits vor Veröffentlichung mehrere positive Rezensionen habe. Ich werde alle Teilnehmer einen Tag vor dem Amazon-Release noch mal persönlich anschreiben und darum bitten, eben morgen ihre Rezie beim großen Riesen online zu stellen.

Darüber hinaus habe ich noch vor der Veröffentlichung entsprechend hilfreiche Rückmeldungen erhalten. Nicht nur positive, die mir zeigen, dass Cover und Klappentext passen. Auch negative bzw. nennen wir sie konstruktive Punkte. Sachen, die selbst mehreren Korraktat- und Lektoratdurchläufen entgangen sind.

Dass ich z.B. anfangs meinen beiden Protagonisten xtausend Namen, Beinamen etc. gegeben habe. Das hat was damit zu tun, dass ich Wiederholungen meiden will. Offenbar hat es auch meine Lektorin nicht gestört. Aber nachdem zwei Leute bei der Leserunde meinten, das wäre am Anfang noch total verwirrend und störend … habe ich mir die entsprechenden Passagen noch mal angeschaut und geändert.

Fazit:

Leserunde auf Lovelybooks sogar noch vor Veröffentlichung ist ein grandioser Testlauf und sorgt für Aufmerksamkeit und Rezensionen, bevor man tatsächlich an potentielle Käufer herantritt. Mit ein wenig Engagement ist das ganze super zu bewältigen und das coolste ist … es kostet nicht mal Kohle.:-)

Und was bringt das jetzt für Leser_Innen?

Nun ja, mal abgesehen davon, ein Buch (in meinem Fall) vor dem Release (kostenfrei) zu lesen, noch etwas zu gewinnen … den Kontakt mit mir.

Nein, nicht mit mir als Person, denn ob das jetzt wirklich so erstrebenswert ist .. Den Kontakt mit mir, dem Autor.

So wird z.B. in der aktuellen Leserunde auch schon mal darüber diskutiert, warum die Serie »Nighthunter« und nicht »Nachtjäger« heißt und wie der Skinwalker das eigentlich mit seinen Klamotten beim Verwandeln macht. Ich denke, dass das für die Leser_Innen tatsächlich der größere Anreiz für eine Leserunde ist, denn wann hat man sonst die Chance, solche Fragen, die einem beim Lesen kommen, beantwortet zu bekommen?

In diesem Sinne, ich freue mich jetzt schon auf die nächste Leserunde.

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