Klappentext:

»Existiert das verrufene Fortyfoot-Haus wirklich, oder ist es eine Spiegelung aus Vergangenheit oder Zukunft? Und was haust dort auf dem Dachboden? Ratten? Nein, es ist Brown Jenkin – und der ist weitaus schlimmer, als es Ratten je sein könnten. Bestsellerautor Graham Masterton (u. a. Der Manitou) zollt mit diesem großartigen Alptraum in Prosa seinem literarischen Vorbild H. P. Lovecraft Tribut.«

Wie es der Klappentext schon erwähnt, komme auch ich nicht umhin, zunächst über Lovecraft zu reden.

Ich habe lange gebraucht, eh ich den Altmeister der Schauerliteratur (und ein solcher ist er ohne Zweifel) gelesen habe. Mir waren früh durch die Werke anderer Autoren, bestimmte Elemente aus Lovecrafts Schaffen bekannt. Natürlich der gesamte Mythos um die sog. »Großen Alten«.

Es war sogar Wolfgang Holbein, bei dem ich zum ersten Mal auf Lovecraft stieß.

Allein dies ist schon ein Verdienst, den kaum irgendein anderer Autor vollbracht hat. Dass unzählige Autoren auch noch nach beinahe Hundert Jahren sich von den Werken inspirieren lassen und ihre eigenen Interpretationen des Mythos schaffen.

Gelesen habe ich selbst Lovecraft so lange Zeit nicht, weil ich einfach nicht mit der »alten« Sprache klar kam. Ich war aus diesem Grund auch nie ein großer Freund von Poe oder Conan Doyle, auch wenn mir ihre Werke natürlich ebenfalls durch Nacherzählungen, Neuinterpretationen und natürlich Filmen bekannt waren. (Und natürlich habe ich sie gelesen, weil es zum guten Ton gehörte. Aber lange Zeit, haben sie mir nicht gefallen.)

Erst die (als Ebook wirklich günstige) Gesamtausgabe von Lovecrafts Werken im FESTA-Verlag ließ mich vor vielleicht ein, zwei Jahren zugreifen und seit dem lese ich immer mal wieder eine der Geschichten. Durch habe ich sie noch lange nicht, denn ich habe immer noch meine Probleme mit der altertümlichen Sprache und oft auch mit den irgendwie nicht vorhandenen Plots. Aber faszinierend sind sie alle Mal und was das Kreieren von düsteren Stimmungen und verstörender Atmosphäre anbelangt, macht Lovecraft keiner so schnell etwas vor.

Graham Masterton hingegen, ist ein Autor, von dem ich bereits mehrere Werke gelesen habe. Dessen Kunst ist es irgendwie immer, schmerzhafte Leseerfahrungen zu schaffen, ohne sich dem (von mir nicht gemochten) »Torture Porn« hinzugeben. Mastertons Schilderungen sind immer literarisch ganz große Kunst, nie plakativ brutal und entfalten ihre Wucht auf sehr subtile Art und Weise.

Als ich mit »Die Opferung« begann, war mir gar nicht bewusst, dass dies ein Werk ist, das sich als Hommage an Lovecraft versteht. Ich weiß bis jetzt nicht einmal, ob es einfach »nur« eine moderne Nacherzählung von »Dreams of the Witchhouse« ist, da ich noch im ersten Band des gesammelten »Cthulhu-Mythos« von Lovecraft bin.

So habe ich auch lange gebraucht, eh mir die Erleuchtung kam, dass die Geschichte um das geheimnisvolle Haus, die so sehr nach klassischem Haunted-House-Grusel in der heutigen Zeit ausschaute, sich am Ende als apokalyptisch, düstere Gothicnovel auf Basis des Cthulhu-Mythos entpuppte.

Von Anfang an begeisterte mich die grandios unheimliche Atmosphäre, jenes Gefühl, bei dem ich ein ums andere Mal dem Protagonisten zuschreien möchte, dass er da doch abhauen solle, aber es aus einem Grund natürlich nicht tue. Nicht, weil er mich nicht hören könnte, sondern weil ich natürlich das Geheimnis gelüftet haben will und dafür wieder einmal bereit bin, Mastertons Fähigkeit beim Lesen Schmerzen zu erzeugen in Kauf nehme.

Geschickt spielt Masterton außerdem mit den Erwartungen des Lesers, kehrt ein um das andere Mal das »Gut-Böse-Schema« um, wodurch er bei mir schon Pluspunkte hat. Seine Schilderungen der Lovecraftschen Elemente bleiben herrlich nebulös, so dass sie den mystischen Zauber ihres Schöpfers nie verlieren.

Und dann gibt es in diesem großartigen Horrorroman auch noch Sex. Sex, der wirklich gut geschrieben ist. Ich will nicht spoilern, aber es gibt eine erotische Szene, die durch einen klassischen Gänsehautmoment so abrupt unterbrochen wird, das es wiederum in mir eine Lachsalve erzeugte.

Was will ich mehr von einem Horrorroman als drei Emotionen gleichzeitig? Ein wenig sexuelle Erregung, einen Schauer, der über meinen Rücken läuft und einen Lachanfall? Ihr ahnt es sicherlich, die Frage war rein rhetorischer Natur.

Das Buch ist grandios und verdient alle Sterne, die es zu vergeben gibt.

 

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