Klappentext:

»In dem abgeschiedenen Dorf Grein am Gebirge, eingeschlossen zwischen den Bergen und einem Fluss, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt. Als Kommissar Alex Körner und sein Team mehrere Exhumierungen anordnen, nehmen die Ermittlungen eine ungeahnte Wendung. Die Lage spitzt sich zu, als durch den anhaltenden Regen der Fluss über die Ufer tritt. Vom Hochwasser umgeben und von der Außenwelt abgeschnitten, kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht und das Morden geht weiter …«

Warum habe ich das Buch gelesen?

Irgendwo stieß ich auf die Information, dass Andreas Gruber sich hier sehr stark durch den Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft inspirieren ließ. Das fand ich spannend, dass ein deutschsprachiger Autor, sich dieser Quelle bedient, die Story dann auch noch in einem Dorf im österreichischen Gebirge ansiedelt, machte mich schon sehr neugierig.

Ersteindruck, Cover und Titel?

Es gibt vier verschiedene Cover. (Je nachdem, ob man ein E-Book erwirbt oder eine der anderen Ausgaben auf dem Flohmarkt ersteigert.)
Alle passen einigermaßen zum Sujet, sind aber auch irgendwie nichtssagend bzw. teilweise irgendwie … fragwürdig? Doch schaut selbst:

Passt noch am besten von der Stimmung her. Nur leider nicht zur Story!

Türklopfer am Kirchenportal? Kann man gelten lassen.

Auslage in der Theke beim Fischhändler?

Versteinertes Nippel-Piercing?

Um was geht’s eigentlich?

Es geht um den »harten« Ermittler, der wegen einiger »Dienstvergehen« knapp vor der Suspendierung steht, aber noch mal eine Chance bekommt, wenn er ganz schnell den seltsamen Mord in diesem Dorf aufklärt.

Nur, dass der Ermittler genau aus diesem Ort kommt, mit vierzehn da weg ging, seit dem da nie wieder hinwollte. Das Team, das er mit sich nimmt, ist fachlich hoch qualifiziert, es gibt aber einige Differenzen auf der persönlichen Ebene, was für eine Menge Konflikte und somit auch Spannung sorgt.

Das Dorf kommt relativ gewöhnlich rüber. Die Bewohner sind natürlich abweisend, bis offen feindlich, doch stärker ist die Bedrohung durch die sich anbahnende Naturkatastrophe.

Bis über 50% des Buches verfolgen wir, die Leser, die Spannungen innerhalb der Ermittlergruppe, die klassischen Dorfeingeborenen in ihrer Ablehnung den Großstädtern (die Ermittler kommen aus Wien) gegenüber. Erhalten einige Andeutungen, was die Vergangenheit des Kommissars in eben jenem Ort anbelangt und verfolgen ansonsten einen recht gewöhnlichen Kriminalfall, der auf Grund seiner Brutalität in die Richtung eines sog. »Nordic Noir-Serienkiller-Thrillers« weisen könnte. Nichts übernatürliches und somit auch leider kein Horror. Das kommt erst später.

Wie ist es geschrieben?

Handwerklich solide. Die Grundkonflikte erzeugen genügend Spannung und somit das Bedürfnis immer weiter lesen zu wollen. Mein Problem war eher, dass ich die ganze Zeit auf dieses Lovecraft-Ding gewartet habe und die ersten Andeutungen, dass es in die Richtung geht, in der Geschichte erst weit nach der Hälfte überhaupt auftauchen.
Teilweise war es mir in seinen Rückblenden sogar etwas zu detailverliebt. Ich weiß jetzt z.B. eine Menge über Steinkohleabbau im Bergbau Anfang des 20sten Jahrhunderts, hätte darauf aber verzichten können.
Die geschilderten Alpträume des Ermittlers (schade nur, dass man als Leser sehr genau weiß, dass es Alpträume sind, weshalb das Buch an dieser Stelle eben auch nicht als Horror einstufen kann) sind grandios geschrieben. Wirklich sehr düster und gruselig. Nur, wie gesagt. Solange sie mir als Leser nicht einmal die Möglichkeit lassen, dass diese Visionen teil der hier erlebten Realität sind, sind sie eben kein Horror.

Der finale Showdown hat es in sich, ist apokalyptisch und düster, hat mich hier aber an den Film »Kap der Angst« erinnert. Dort ist es der von Robert De Niro gespielte Bösewicht, der einfach nicht kleinzukriegen ist. Hier ist es der Ermittler. Der Showdown zog sich für meinen Geschmack viel zu lange und damit auch leider langatmig hin. Der Ermittler kriegt so oft auf die Fresse und rappelt sich doch immer wieder auf und das, wo man als Lovecraft-Leser, zu diesem Zeitpunkt schon ahnt, dass es für ihn eben nicht gut ausgehen darf/kann/wird. Da dauerte es dann einfach zu lange, so dass ich gegen Ende einige Kapitel wirklich nur noch quer gelesen habe.

Fazit?

Ich glaube, die doch recht vielen negativen Rezensionen, die »Der Judasschrein« bekommen hat, resultieren aus einer einfachen Tatsache.

Leser, die einen spannenden Krimi/Thriller erwarten, was Andreas Grube wohl sonst hauptsächlich auch schreibt, mit dem ganz klassischen Ermittlerteam und dem Kriminalfall, werden am Ende auf Grund der Hinwendung zum Lovecraftschen Horror enttäuscht, wenn nicht sogar verärgert sein.

Leser, die Horror erwarten, vor allem auch frühzeitig auf die Lovecraft-Welten in der Geschichte warten, werden wohl, so wie ich, durch den recht gewöhnlichen Ermittler-ermittelt-Krimi-Thriller-Plot enttäuscht sein. Für diese kommt der Teil der Geschichte, in der es sich dahin bewegt, dass es eben doch Horror sein könnte, einfach viel zu spät.

Eine gut, über weite Strecken auch spannend erzählte Story mit plausiblen Protagonisten, die vor allem alle Schreibregeln beherzigt. So wird z.B. am Ende kein »Weißes Kaninchen« aus dem Hut gezaubert. Alle Spuren und Details, die der Autor am Anfang scheinbar sinnlos einstreut und erzählt, führt er am Ende zusammen.

Die Geschichte scheitert für mich leider daran, dass die beiden Genres Horror und Krimi nicht gut zusammengeführt wurden.

3 Sterne

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