Inspiration oder Diebstahl von geistigem Eigentum?

Quelle: Alexas Fotos auf Pixabay

Wolfgang Hohlbein ist ja ein Autor, der entweder geliebt oder gehasst wird. Ein dazwischen, also eine sachliche und emotionsfreie Auseinandersetzung mit ihm, bzw. seinem Werk, findet auf dieser Ebene dann natürlich nicht statt.
So werfen ihm seine »Kritiker« immer wieder vor, er würde sich alles nur »zusammenklauen«. Konkret tat (und tut) man dies im Zusammenhang mit seinem »Hexer-Zyklus«. Einem Werk also, von dem er selbst immer wieder sagt, dass ihn H. P. Lovecraft und sein Mythos um die »Großen Alten« dazu inspiriert hat, dem wird vorgeworfen, dass Hohlbein nur bei Lovecraft »geklaut« hat.

Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass es eigentlich sowieso nur noch sieben Geschichten gibt und es gar nicht mein Anspruch ist, das Rad irgendwie neu zu erfinden, sondern die Geschichte einfach gut zu erzählen. Ähnlich zu den Märchenerzählern in alten Zeiten, die durch die Lande zogen und die im Grunde längst bekannten Geschichten immer wieder (neu) erzählt haben.

Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass die »Nighthunter« – Serie unzählige Inspirationsquellen hat. Im Anhang des Sammelbandes nenne ich diese auch alle konkret. Dies gilt nicht nur für das Setting, sondern gerade auch für die Protagonisten.

Nehmen wir z.B. Louis:

Für den Vampir gibt es in der Popkultur knapp vier verschiedene Arten. Da ist zunächst »Dracula« (den Bram Stoker übrigens nicht erfunden hat, da er sich unzähliger, vor allem slawischer Mythen bediente), den Typen, den Ann Rice mit ihrem »Lestat« geschaffen hat, die Kreaturen aus »The Strain« von Guillermo del Toro (die übrigens stark den Vampiren aus der »Passage-Trilogie« von Justin Cronin ähneln und umgekehrt) und natürlich den in der Sonne glitzernden Edward von Stephenie Meyer.

Quelle: Pixaline auf Pixabay

In einer Geschichte, in der der Vampir die Rolle des Revolvermannes übernehmen sollte, ist mir somit schnell klar gewesen, welchem Typos meine Figur eher ähneln würde. Ich nenne deshalb auch gerade Anne Rice »Fürst der Finsternis« (das einzige Buch, das ich von ihr gelesen habe) ausdrücklich als Quelle der Inspiration.

Müßig also eigentlich, mir öffentlich »vorzuwerfen«, dass ich mich »extrem an anderen Büchern und Filmen orientiert« habe.

Ja. Habe ich.

Auch die Konstellation von Louis und Geistwolf ist nicht meine Neuerfindung. Nein. Sie orientiert sich an all jenen Duos in Film und Buch, die ich in der Inspirationsliste aufführe. »Lone Ranger«, »Schuh des Manitou«, »Winnetou und Old Shatterhand« usw.

Weitaus gröber finde ich es aber, wenn man mir »Diebstahl geistigen Eigentums« unterstellt.

So wird mir in einer Rezension zum ersten Sammelband der »Nighthunter« unterstellt, ich hätte „die Formulierung ›der Mann in Schwarz‹ dreist von Stephen King geklaut“ (der Link führt zu Lovelybooks und u.a. zu einer Rezension von einem Nutzer mit dem Nickname: „Naddiwise“, welcher diesen Vorwurf erhebt).

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf den Anhang eben jenes Sammelbandes hinweisen:

Dort befindet sich eine Liste aller Bücher, Filme, Comics und Musikstücke, die mich inspiriert haben. Der aufmerksame Leser wird es schon ahnen, natürlich führe ich »Der dunkle Turm« von Stephen King ziemlich weit vorne auf.

Wenn ich es also »dreist geklaut« hätte – was ja bedeutet, ich wäre davon ausgegangen, dass es niemand merkt (»dreist«) und bekenne im gleichen Atemzug, dass mich das Werk inspiriert hat … sind wir ehrlich: Das wäre mindestens genauso dämlich gewesen, wie einen Text aus einem anderen Werk als sog. »Platzhalter« in meine Geschichte zu kopieren und nach Veröffentlichung meines Werkes zu behaupten, ich hätte vergessen, den zu löschen.

Gerade bei Louis kommt noch hinzu, dass ich einerseits nicht glaube, dass Stephen King irgendein Copyright oder Trademark auf »Der Mann in Schwarz« hat. (Im Gegensatz z.B. zu Brian Lumley und »Necroscope«. Da gibt es ein Trademark. Also ein eingetragenes Markenzeichen. Ich würde mich hüten, das zu verwenden.)

Bei dem Beispiel »Der Mann in Schwarz«, besser noch »The Man in Black«, da es im Original ja im amerikanischen Englisch ist, glaube ich, dass nicht einmal Johnny Cash mit seinem gleichnamigen Song, irgendwie ausschließlich einziger geistiger Eigentümer dieser Formulierung ist.

Ich denke, dass ich hier einfach einen beinharten Stephen-King-Fan dermaßen verärgert habe, dass er sich nur darüber aufregen konnte, wie ich kleiner Wicht es denn wagen kann, eine Formulierung des Meisters zu verwenden und allein dadurch zu beschmutzen. (Ähnlich den Lovecraft-Jüngern und ihren öffentlich geäußerten Meinungen zu Wolfgang Hohlbein.)

Naddiwise hätte ja auch schreiben können, dass es sie/ihn ärgert, dass ich ständig die Formulierung „der Mann in Schwarz“ für meinen Protagonisten verwende, die in ihren/seinen Augen untrennbar mit „Der dunkle Turm“ von Stephen King verbunden ist, statt mich des „dreisten Diebstahls“ zu bezichtigen.

Also möchte ich es hier noch einmal ganz deutlich sagen:

Ich verwende die Formulierung »Der Mann in Schwarz«, da mich »Der dunkle Turm« von Stephen King am meisten zu der »Nighthunter« – Serie inspiriert hat.

Und ich verwende sie bewusst für die Figur, die der des Revolvermannes aus „Der dunkle Turm“, also dem „Guten“, am nächsten kommt. Und nicht für den „bösen Zauberer“, wie es bei King der Fall ist und solche gibt es in meiner Geschichte ja auch zu Hauf. 

Darum wird Louis Royaume immer wieder von mir nicht einfach nur »der schwarzgekleidete« sondern eben auch »der Mann in Schwarz« genannt.

Diebstahl geistigen Eigentums oder Inspiration? Entscheidet selbst. Gerne auch hier in den Kommentaren.

Euer

Anton

ps. Ich schau mir solange ein paar Filme von Quentin Tarantino an.

2 Kommentare

  1. Auf jeden Fall haben die Inspirationen zu einem tollen Buch geführt. So soll es sein. Die Mischung ist echt toll geworden. Manchmal denke auch an Lestat von Anne Rice, dann wieder an Clint Eastwood, auch wenn dein Louis nicht so beinhart ist. Dann an Longmire oder an den Bruder von Harry Dresden. Von allem das Beste eben. Ich mag die Nighthunter

    1. Hallo Petra, siehstde … Harrys Bruder hatte ich ganz vergessen. ÜBerhaupt hatte ich vergessen zu erwähnen, dass die „Harry Dresden“ Serie mich ebenfalls inspiriert hat. Besonders „Erlkönig“ mit seinen Gesprächen über die Welt der Magie und der Menschen und wer was wie sehen kann und wer nicht. (Andererseits ist es auch der bisher letzte, den ich aus der Serie gelesen habe, da ich mir immer nur so einen Band pro Jahr vornehmen:-))

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